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Das Hohelied und Amoris laetitia – Februar 2017

Ach, die Liebe! Das Hohelied und Amoris laetitia

Am 17./18. Februar widmete sich eine erfreulich große Runde von über 20 Teilnehmern der Lektüre des Hohenliedes und des postsynodalen Schreibens über die „Freude der Liebe“, das seitdem hohe Wellen schlägt. Das Hohelied in seiner wunderbaren und dramatischen Komposition von Hochzeitslieder aus dem 6. Jh. v. Chr. zeigte vor allem die unterschiedliche und dann doch wieder ähnliche Ausdrucksform der Liebe bei der jungen Frau (der Hauptsprecherin) und dem jungen Mann. Erst begegnen sie sich in der Gruppe, bei Wein und Früchten, wo die „Liebe“ im Hebräischen noch dodim heißt, also eher Liebeleien oder Zärtlichkeiten. Ab dem dritten Kapitel spielt sich die Begegnung nur unter den beiden Liebenden ab, und in der Gefahr, einander zu verlieren, wechselt der Begriff Liebe zum hebräischen ahaba: zum Ernst und Schmerz der Liebe. Dies sagt Wesentliches über das Wachsen der ersten Empfindungen bis zum endgültigen Sich-Finden aus.

Amoris laetitia, von Paul Metzlaff vorgestellt, wurde in seiner gedanklichen Entwicklung erörtert. Die bleibende Spannung von unverbrüchlicher sakramentaler Würde der Ehe und dem pastoralen Begleiten heutiger vorehelicher Beziehungen wurde dabei deutlich. Ebenso blieb die Führung und Tröstung der Geschiedenen mit und ohne neue Heirat vorgestellt, was anhaltend ins Gespräch kam. Das Schreiben scheint diese Spannung mit Absicht aufrechterhalten zu wollen. Dennoch blieben Fragen der bleibenden Bestätigung des Ehesakraments und der Grenzziehung gegenüber der bisherigen Lehre der Kirche offen. Ein Schreiben also, das in Zukunft noch geklärt werden muß und nach Ausführungsbestimmungen ruft. Jeder Einzelfall ist zwar ein Einzelfall, dennoch müßten Kriterien einer einigermaßen gerechten Beurteilung der Problematik entwickelt werden, so daß es zu keiner faktischen Spaltung der Kirche in einzelne Bistümer oder Bischofskonferenzen kommt. Eine noch zu bewältigende große Aufgabe zeichnet sich ab.
HBGF


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