Mooshausen Medien » Bericht vom Guardini-Studientag 2023

Romano Guardini und die Macht des Menschen

Ende der Neuzeit – Umbruchszeit

Guardini-Studientag am Samstag 25. März 2023

Der „mächtige“ Ruf des Freundeskreises Mooshausen e.V. hat einmal mehr interessierte Mitmenschen angezogen, um ihnen die „christliche Weltanschauung“ eines Mannes zu erschließen, dessen Lebenswerk Grund genug war, um seinen Seligsprechungsprozess einzuleiten. Zu Recht! Hat er doch schon vor 80 Jahren vorhergesehen, wohin die Menschheit sich selbst führt angesichts der Technisierung und Digitalisierung und der damit einhergehenden Entmenschlichung des Menschen.

Guardini spricht vom Ende der Neuzeit, in der der Glaube mehr und mehr an Bedeutung verliert und doch unbewusst oft die Grundlage dessen bildet, was die Neuzeit als ihr Eigenes betrachtet.

Schöpfung wird durch Forschung zur Natur und ist scheinbar nicht mehr das durch Gott Geschaffene. Der Mensch sieht sich zugleich mehr und mehr als Individualist. Im Mittelalter noch Teil einer größeren Einheit von Kirche oder Staat, gerät nun das Individuum in den Blick. Jetzt erhebt sich der Mensch quasi zum Gott-gleichen Schöpfer.

Guardini kennzeichnet die Neuzeit mit den Begriffen Natur, Persönlichkeit und Kultur. Das Wissen wächst – die Weisheit nimmt ab. War vorher noch die Menschenwürde durch die Gottebenbildlichkeit definiert, oder die Pflicht zur Hilfsbereitschaft in der Geschichte vom barmherzigen Samariter begründet, so sind doch immer mehr Menschen davon überzeugt, diese Wurzeln locker leicht kappen zu können. Und genau dies geschieht in der Nach-Neuzeit, wie Guardini diese mittlerweile schon angebrochene Epoche nennt. Man will die Natur beherrschen, anstatt sie zu schützen, und so wird sie wiederum nicht mehr als bergend erfahren. Das Ideal der Individualität wird zur leeren Kulisse. Stattdessen verschwindet der Einzelne wieder ungewollt in der Masse. Werbung und Technik bestimmen seinen Geschmack und unterwerfen ihn so einer immer größer werdenden Gleichförmigkeit. Dass der ach so hoch gelobte Individualismus eine vorgegaukelte Masche ist, wird, wenn überhaupt, zu spät bemerkt.

SchisMa! Der Herrenduft, den JEDER Mann braucht – so INDIVIDUELL wie Sie selbst!“   Ja dann …

Dieser Entwicklung zu entkommen ist für die Menschheit überlebenswichtig. Ein Übermaß an falsch verstandener Freiheit entfaltet zerstörerische Macht. Freiheit schließt immer Solidarität und Ver-antwort-ung mit ein. Echte Freiheit ist ein Hinaus-Wagen ins Ungewisse und kann ohne die Solidarität anderer nicht gelebt werden.

Und eine Solidar-Gemeinschaft kann es nur geben, wenn man über sich hinauswächst. Das beginnt in der Familie und geht über Freundeskreis, Verein und Kirche bis zur staatlichen Gemeinschaft.

In jeder Gemeinschaft wiederum gibt es Menschen, die Entscheidungen treffen, die de facto die Macht haben, zu entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Aber der Umgang mit Macht setzt immer auch Verantwortung voraus, was nichts anderes heißt, als dass der Mächtige für seine Entscheidungen auch haftbar gemacht werden kann, ja sogar haftbar gemacht werden muss. Wird Verantwortung geleugnet, wird Macht dämonisch.

Der Mensch muss seine Verantwortung vor Gott, mit der auch das Grundgesetzt beginnt, neu entdecken. Wir müssen uns vor Gott verantworten und nicht vor kommenden Generationen, was letztlich nur eine Hilfskonstruktion ist, die der Wirklichkeit nicht gerecht wird. Fakt ist, dass ich nur etwas schaffen kann im Rahmen meiner Begrenztheit, zu der auch Zeit, Macht und Reichtum gehören. Die Würde eines Menschen zeigt sich allerdings vor allem in der Schwachheit und verweist auf den, vor dem wir letztlich die größte Verantwortung tragen: Gott.

Den wohl bis hierher grundlegend wichtigsten Guardini-Tag, den Herr Pfarrer Marc Grießer im Pfarrhaus zu Mooshausen organisiert und mit durchaus humorvollen Vorträgen selbst bestritten hat, fand seinen Abschluss in der Kirche Sankt Johann-Baptist zusammen mit der Schola Cantorum Lorchensis, die sich schon seit Jahren nicht abhalten lässt, samt Fanclub anzureisen und jedesmal ein kleinwenig g’scheiter heimzukehren.

Die Schola hat sich dem Gregorianischen Choral verschrieben, dem auch der ehemalige Bewohner des Pfarrhauses, Josef Weiger, sein Freund Romano Guardini und Marc Grießer nahestanden und -stehen.

Auch in der Messe am Fastensonntag „Iudica me“ in Hofs (Leutkirch) hatte es die Predigt zum Thema Macht nochmals gewaltig in sich: „ Wo die Macht Gott verneint, wo sie Grenzen überschreitet, wird sie mehr und mehr zum Glücksspiel mit immer höheren Risiken. Es ist, als fordert der Mächtige so eine Antwort des Höheren, eine Antwort Gottes heraus. Wo der Mensch Gott nicht antworten mag, will er Gott zum Antworten zwingen. Überall sucht er Bestätigung, selbst bei den Untertanen, die doch nicht anders können, ohne Verfolgung zu riskieren. Der Mächtige sucht Antwort, die er so nicht bekommt, höchstens als Scheitern. Die wahre Antwort finden wir nur im Glauben, der uns die Verantwortung vor Gott lehrt. Nicht Gott hat zu antworten, sondern wir! Diese Verantwortung macht uns nicht klein, sondern gibt unserer Macht den natürlichen Rahmen. Nur im Rahmen unserer Möglichkeiten und Begabungen können wir doch tatsächlich etwas bewirken. “

Den Organisatoren, Herrn Dr. Krämer und Pfarrer Marc Grießer, ganz speziell aber Frau Christa Krämer, der Schatzmeisterin des Freundeskreises, ein von Herzen kommendes „Vergelt’s Gott“.

Der Gedankenaustausch beim gemeinsamen abendlichen Umtrunk mit Imbiss (u.A. mit jiddischem Berches) im blauen Salon des Pfarrhauses wurde durch Frau Krämer erst möglich und war die Grundlage für weitere wertvolle Gespräche über das Tagesthema.

Text:  Bernhard Theinert.           Bilder:  Gabriele Theinert


Die beiden Vorträge von Pfarrer Grießer am am Samstagvormittag haben wir aufgezeichnet. Sie finden das Video auf unserem YouTube-Kanal » Vorträge


Choralamt am Samstag 25. März 2023 in der Dorfkirche St. Johann Baptist in Mooshausen

Mit Pfarrer Marc Grießer, Seelsorgeeinheit Alpenblick
Musikalische Gestaltung durch die „Schola Cantorum Lorchensis“ unter der Leitung von Bernhard Theinert

Die Messe wurde aufgezeichnet, Sie finden das Video in unserem YouTube-Kanal: » Messe

Link zum Liedblatt zur Messe: » Liedblatt

Link zum Gebetsbild für Romano Guardini: » Gebetsbild