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„Billy Budd“ – Tagung mit Felix Hornstein im März 2024

Hornsteinsches Familientreffen auf der Bellipotent

Es mag vielleicht nicht allzu verlockend klingen, sich in seinen mehr oder weniger wohl verdienten Schul- oder Semesterferien drei Tage lang gebündelten theologisch-literarischen Stoff ins Hirn pressen zu lassen. Wenn dieser „Stoff“ jedoch wirklich wie eine Droge ist, von der man immer mehr möchte, schaut der Fall natürlich ganz anders aus. Und bei der Tagung „Die leidenden Gerechten. Billy Budd von Herman Melville“, die vom 22. bis 24. März in Mooshausen stattgefunden hat, bin ich ein bisschen süchtig geworden.

Ich muss hierbei kurz gestehen, dass es sich bei dem Referenten, Felix Hornstein, um keinen Geringeren als meinen eigenen Vater handelte, weshalb ich diese Tagung natürlich nicht unvoreingenommen beginnen konnte. Meine positiven Vorurteile erklären aber noch lange nicht die Begeisterung, die ich in diesen drei Tagen verspürt habe. Ich studiere im Nebenfach Religion und interessiere mich für Theologie. Aber es ist doch etwas ganz Anderes, durch Literatur an diese herangeführt zu werden. „Billy Budd“ hat es geschafft, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in sein großes Meer an Fragen und inneren Kämpfe hineinzuziehen, und meinem Vater ist es gelungen, alle „Mitreisenden“ am anderen Ufer ankommen zu lassen. Obwohl ich Melvilles Buch nie gelesen habe, habe ich während dieser Tagung mit dem Schicksal des Jungen, des Kapitäns und der ganzen Besatzung – man könnte auch sagen der ganzen Menschheit – mitgefiebert und –gerungen, als wäre ich selbst auf der „Bellipotent“. Und die Geschichte dieses Schiffes wirft die alten Fragen nach richtig und falsch, gut und böse, schuldig und unschuldig, die Frage nach Wahrheit und Macht und nach dem Opfer eines Menschen für die ganze Menschheit neu auf und spinnt sie weiter wie es nur wahre, gute Literatur kann.

Tatsächlich musste ich mir in diesen drei Tagen den Stoff nicht in mein „Hirn pressen lassen“, wie ich oben geschrieben habe. Er wurde vielmehr mit den Wogen des Meeres ganz von allein hineingespült. Denn nicht nur der Roman selbst, sondern auch die Erklärungen und Deutungen dazu waren wie eine stimmige, spannende Geschichte, der man immer weiter lauschen möchte und deren Ende man unbedingt erfahren muss.

Wenn man Theologie so erfahren kann, dann freut man sich darauf, endlich wieder Ferien zu haben, um nach Mooshausen fahren zu dürfen und dort – im Kreise fast der kompletten Hornstein-Familie – eine Tagung zu besuchen.

Josefine Hornstein