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Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt

Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt

Guardini-Studientag am 6. April 2019 mit Pfarrer Marc Grießer

» Manuskript von Pfarrer Grießer, Seelsorgeeinheit Alpenblick

»Tonaufnahme der Abendvesper (37 MB, mp3) am Samstag 6.4.2019 in der Dorfkirche Mooshausen mit Pfarrer Marc Grießer und der Schola Cantorum Lorchensis, mit freundlicher Genehmigung des Pfarrers und der Schola. Tonaufnahme Dr. Klaus Krämer, Stuttgart


Auch große Persönlichkeiten hatten ihre liebe Not, zum Glauben zu finden. „Von Umwegen darf man da nicht sprechen.“ Man muss es wohl eher so ausdrücken:

Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt.

Ein wahrer Satz, den der damalige Kardinal Ratzinger im Blick auf Romano Guardini geprägt hat und bestimmt auch ein Stück weit eigene Erfahrung dieses großen Theologen des 20.

Jahrhunderts. Guardini wurde als junger Erwachsener von Zweifeln geplagt. Nach mehreren angefangenen Studiengängen ist er auf wundersame Weise bei der Theologie gelandet, aber auch später ist ihm wohl sein Glaube nicht einfach so erhalten geblieben. Ob er damals schon den Satz von John Henry Newman im Hinterkopf hatte: „Glauben heißt: tragfähig sein für Zweifel“? Später übersetzt diesen Theologen aus dem Englischen Maria Knöpfler, eine Müllerstochter, die von Josef Weiger als Haushälterin ins ehrwürdige Pfarrhaus von Mooshausen geholt wurde und dort ihre Begabungen entfalten konnte.

Die Führung durch das dortige Pfarrhaus, Frau Prof. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz ließ es sich nicht nehmen, diese als Chef des Freundeskreises Mooshausen e.V. selbst zu übernehmen, war eine Wanderung durch die Zeitgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, bei der besonders an die Bewohner und Besucher des Hauses erinnert wurde. So richtig bekannt gemacht hat es aber wohl erst der im Zweiten Weltkrieg aus Berlin ins Exil hierher geflüchtete Romano. Sein Freund und Pfarrer von Mooshausen, Josef Weiger, hatte ihm Unterschlupf gewährt. So avancierte der Mooshauser Kreis schnell zum Ort des Widerstandes in nationalsozialistischer Zeit. Die Weiße Rose wurde maßgeblich von hier aus beeinflusst.
In keinster Weise kann und darf ich mich mit diesem genauso tiefgründigen wie schwermütigen Romano Guardini vergleichen. Mein Weg zum Glauben war ganz anders und doch irgendwie ähnlich. Ein ständiges Ringen mit Gott. Aber, und das hat mir die große Vorsitzende bei einem Vortrag im vorletzten Jahr und jetzt Marc Grießer wieder eindrücklich klargemacht: „Gott will, dass man mit ihm ringt, wie Jakob am Fluss Jabbok!“ Endlich bestätigte mir jemand das, was ich eigentlich schon immer auch selbst erfahren hatte!
Nicht mit mir ringen musste ich allerdings, als Mooshausen dieses Jahr wieder zur Guardini- Tagung eingeladen hat. Samt Schola Cantorum Lorchensis, die in diesem Jahr zum fünften Mal Mooshausen gesangstechnisch beunruhigt hat, und deren Fanclub bin ich dem Ruf von Pfarrer Marc Grießer in das kleine Dorf gefolgt, in dem einst große Persönlichkeiten gewohnt und Geschichte geschrieben haben. Dass Wissen und Glauben sich gegenseitig nicht ausschließen, sondern ergänzen, ist eine der Wahrheiten, die Grießer hier zur Sprache brachte. Als wissenschaftlich denkende Menschen suchen wir immer wieder Beweise, stellen Theorien auf, verfassen Hypothesen um so die Welt besser zu verstehen, aber warum wir sind, warum die Erde ist, wie Freundschaft und Liebe entstehen, das kann uns die Wissenschaft nicht erklären.

„Ich brauche keine Kirche, ich gehe in den Wald zum Beten.“ Der Pfarrer aus der Seelsorgeeinheit Alpenblick belächelt die Ausrede kirchenferner Zeitgenossen und kontert:

„Der Wald müsste demnach voller betender Menschen sein. Das wunderschöne Allgäu, und die Gegend in der ich wohne, lädt ständig zum Waldspaziergang, aber ich habe dort noch niemand beim Beten angetroffen!“ Eine humorvoll-ironische Bemerkung, ja, aber eben auch die Wahrheit.
Glaube entsteht nicht im luftleeren Raum und auch nicht in würziger Waldluft, sondern er entzündet sich am Vorbild, am Glauben des Mitmenschen und steht somit schon im größeren Glaubenszusammenhang der Kirche. Glaube ist im Kern immer ein JA zu Gott und damit von Frömmigkeitsstilen unabhängig.

In der Vesperandacht am Samstag Abend kamen in Teilen die von der Schola eigens für diesen Anlass eingepflegten Psalmübersetzungen von Romano Guardini zum Klingen. Eine ganz andere, gewöhnungsbedürftige und doch schöne Sprache. Mit etwas Konzentration ist es den Teilnehmern tatsächlich gelungen, die sonst so im Wortlaut vertrauten Psalmen 23 und 30 fehlerfrei vor den Herrn bringen.

Ein Novum an diesem Samstag war der verlängerte Tisch des Herrn im Pfarrhaus. Die Eheleute Krämer hatten die Tagung organisiert und dann auch noch zum Vesper nach der Vesper eingeladen, wobei sowohl Vortragsinhalte als auch zwischenmenschliche Beziehungen vertieft wurden. Eine sehr schöne Idee, den Abend auf diese Art und Weise bei guten Gesprächen und humorvoll bis scharfsinnigen Diskussionen ausklingen zu lassen.

Natürlich war das Choralamt zum Abschluss des Studienwochenendes in der Mooshauser Kirche, in der auch Guardini zelebriert hat, ganz von seinem Geiste durchdrungen. In der Predigt wies Grießer nochmals eindrücklich und mit vollem Körpereinsatz darauf hin, dass es nicht darum geht, dass wir im Glauben in einem schlichten Sinne gehorchen, sondern dass uns die Wahrheit, die uns in Christus begegnet, wahrhaft ein-leuchtet — so wie die Männer im Evangelium, die einer nach dem anderen weggingen, nicht weil Jesus ihnen etwas befohlen hatte, sondern weil sie die Wahrheit einsahen: „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“

Freilich bleiben immer Fragen offen. An einem Wochenende alles zu erfassen ist ganz sicher unmöglich, aber im Ringen mit dem Gauben und Gott haben wir uns in diesen zwei Tagen mit einem biblischen Unentschieden doch wieder ein gutes Stück voran gebracht. Alles erklären können wir ohnehin nicht. Lassen sie mich deshalb schließen mit einem Satz von C.S. Lewis, den auch Herr Pfarrer Grießer in einem seiner erhellenden Vorträge an diesem Wochenende zitiert hat: „Wer alles durchschaut, sieht nichts mehr!“

Bernhard Theinert
Mitglied im Freundeskreis Mooshausen e.V.



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