H B G F — das sind nicht nur die Initialen der Jubilarin, das ist auch die Notengrundlage für eine Melodie zu ihren Ehren, inspiriert von Bachs B A C H. Diese erklang beim Symposion „Leid-Lösung-Spiel“ zum 80. Geburtstag von Prof. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz und setzte so die „Tonlage“ für die gesamte Veranstaltung. Das Erklingen der Dissonanzen und deren Auflösung erinnere an das akademische Wirken von Gerl-Falkovitz, hieß es. So wurde die Jubilarin geehrt, indem ihre zahlreichen Impulse — mitunter auch in gewohnt sprühender Weise mündlich vorgetragen — aufgegriffen wurden und lebendig philosophiert wurde.
Bischof Dr. Rudolf Voderholzer lenkte am Samstagvormittag den Blick auf das Kind, das Jesus selbst in den Mittelpunkt stellte. Das Kind blickt immer nach oben, es wehrt sich nicht dagegen, getragen zu sein — Haltungen, die auch die Kinder Gottes prägen sollen. Am Nachmittag wurde die Festschrift von den Herausgebern und Organisatoren des Symposiums überreicht, ehemaligen Mitarbeiter des Lehrstuhls von Prof. Gerl-Falkovitz in Dresden. Sichtbar wurde, wie sehr die Dresdener Zeit für alle Beteiligten nicht nur eine Zeit des Philosophierens, sondern auch eine Zeit existenzieller Prägung war. Oder ist gerade das nicht die wahre Philosophie? In der es nicht nur um das Denken, sondern um die Existenz insgesamt geht? Gerl-Falkovitz verglich in ihren Dankesworten ihre Arbeit mit Bezug zu Asterix: Man habe sich wie das Dorf gefühlt, das nicht aufhört, dem Zeitgeist Widerstand zu leisten.
Am Sonntagvormittag beschloss sie selbst den Reigen der Vorträge. Gerade das „Leib-Sein“ des Menschen prägt seine Existenz. Er hat nicht einfach nur einen Körper, er ist sein Leib. Diese Prägung ist nicht manipulierbare Last, sondern Aufgabe im besten Sinne des Wortes. Der Mensch hat nicht einfach eine Rolle, die er beliebig wechseln oder ablegen kann, er hat eine Aufgabe. Indem er sich dieser stellt, ist und wird der Mensch er selbst. Die Spannungen des Daseins finden in dieser Welt nicht Lösung, es gibt nur Erlösung. Absolution gibt es nur im Absoluten, betont Gerl-Falkovitz immer wieder.
Geprägt wurde das Symposium auch von einer liturgischen Atmosphäre, sicher ganz im Sinne der Jubilarin. Die Tagzeitenliturgie wurde gefeiert und am Samstag und Sonntag jeweils ein Pontifikalamt mit den anwesenden Bischöfen Voderholzer und Hanke. Gerade auch die kirchenmusikalische Gestaltung trug zur erfahrbaren Schönheit der Liturgie bei.
Wie bei Zusammenkünften dieser Art nicht unüblich waren auch die zahlreichen Begegnungen und Gespräche abseits des offiziellen Programms spannend und bereichernd. Es war etwas Besonderes zu erleben, wie viele der Anwesenden durch die philosophische Arbeit der Jubilarin zum Glauben gefunden hatten. Die Jubilarin lebt und verkörpert Philosophie im umfassenden Sinne, nicht n u r als Projekt des Denkens, sondern als etwas, das den ganzen Menschen angeht. Ganz im Sinne Edith Steins: Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott, ob es ihm klar ist oder nicht. Und so schließt sich der Freundeskreis den Glückwünschen zum „runden“ Geburtstag an und wiederholt den Wunsch von Bischof em. Hanke am Ende seiner Laudatio: Auf viele Jahre — ad multos annos!
Marc Grießer, Attenweiler