Sonntagsgedanken, 24. Januar 2021


Sonntagsgedanke zum 3. Sonntag im Jahreskreis, 24. Januar 2021

Es passt ganz gut, finde ich, dass wir heute, am Sonntag des Wortes Gottes, eine Lesung aus dem kleinen Jonabüchlein hören. Für viele, besonders für Kinder, gehört dieses kleine Buch des Ersten Bundes zu den Lieblingen, handelt es doch von einem, der nicht einfach Ja und Amen zu dem Auftrag Gottes sagt, sondern diesem sich sogar trotzend entziehen will und von Gott aber mit Humor und feiner Ironie zur Raison gebracht wird.

Heute will ich Ihnen deshalb dieses Büchlein als einen Appetitwecker für das Bibellesen überhaupt ein wenig schmackhaft machen. Wer weiss, vielleicht sind Sie sogar so überrascht von dem, was da zu lesen ist, dass Sie die Bibel regelmäßig zur Hand zu nehmen, um darin auf Entdeckungsreise zu gehen.

Kurz will ich Ihnen deshalb nochmals den Inhalt dieses Lehrbüchleins in Erinnerung bringen: Jona soll als Prophet Jahwes, des Staatsgottes Israels, im benachbarten Ausland ein Strafgericht Gottes und die Zerstörung der Hauptstadt Ninive innerhalb von vierzig Tagen androhen. Er meint, indem er auf einem Schiff exakt in die entgegengesetzte Richtung von Ninive nach Tarschisch »weit weg vom Herrn« flieht, sich diesem Auftrag entziehen zu können. Als plötzlich ein arger Sturm auf dem Meer aufkommt, übernimmt Jona wegen seiner Flucht vor Gott die Verantwortung für das Unglück und lässt sich von den Seeleuten ins Meer werfen. Er wird von einem großen Fisch verschluckt und nach drei Tagen vor Ninive an Land wieder ausgespuckt. Nun gibt ihm Gott zum zweiten Mal den gleichen Auftrag und Jona macht sich auf den Weg in die grosse Stadt und kündigt Ninive ihren baldigen Untergang an. Doch womit Jona nicht gerechnet hatte, tritt ein: Ninive bekehrt sich und Gott führt seine Drohung nicht aus.

Das jedoch gefällt Jona überhaupt nicht. Er hätte zu gerne den Untergang dieser gehassten Stadt gesehen, weshalb er sich über Gottes Güte den Gottlosen gegenüber empört. Gott aber bringt Jona zu der Einsicht, dass für ihn, Gott, das Überleben der Menschen und sogar des Viehs wichtiger ist als die Ausführung einer angedrohten Strafe.

Der Verfasser des Jonabüchleins verurteilt also die Haltung des Propheten und all derer, die so denken wie er. Gott macht sich lustig über die Engstirnigkeit des Jona und macht deutlich, dass er von den Kategorien »mein Volk« und »Bestrafung der Feinde« nichts hält, wohl aber sehr viel von Güte, Milde und Barmherzigkeit. Überdeutlich wird Jona klargemacht, dass der Gott Israels nicht nur ein Gott für sein eigenes Volk ist, sondern für alle Völker, auch für diejenigen, die Israel gegenüber feindlich gesinnt sind.

Im Jonabüchlein werden menschliche Erfahrungen aufgegriffen, die auch uns heutigen Menschen nicht fremd sein dürften. Eine ganz wichtige und auch sehr aktuelle Erfahrung betrifft unseren Umgang mit Andersgläubigen und Fremden. Die Furcht vor dem Anderssein findet sich nämlich auch in unseren Köpfen und Herzen.

Jona war so einer: fromm, aber festgefahren in seinem Denken, der es den „bösen“ Assyrern nicht zutraute, dass sie sich bekehrten. Und eigentlich zeigt er dadurch auch kein Vertrauen Gott gegenüber.

Das Gottesbild dieser einprägsamen Lehrerzählung führt uns geradewegs zum Gottesbild Jesu. Er verkündet die Vergebung für alle, die sich bekehren, und er wendet sich an Sünder und Heiden gleichermassen. Er macht sich stark für die Feindesliebe, und er erregt bei den Frommen, die meinen, alles »richtig« zu machen, Ärgernis und Verweigerung.

Daher wohl dürfen wir in der Botschaft des Jonabuches den prophetischen Vorgriff auf die Botschaft Jesu sehen.

Angeregt von diesem kleinen Büchlein mit seiner grossen (Integrations-)Botschaft haben Sie hoffentlich wieder Lust, mehr in der Bibel zu lesen und Unserem Gott auch für Ihr Leben Überraschendes und Einzigartiges zuzutrauen.

Pfr. Reinhold Sahner


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