Sonntagsgedanken, 20. März 2022


Bild: Ben Kerckx auf Pixabay

Gedanken zum 3. Fastensonntag, Lesejahr C

 

furchtbar – fruchtbar

Liebe Schwestern und Brüder, 
liebe Freunde von Mooshausen,

Was in der Welt, nein, hier bei uns in Europa, vor unserer Haustür geschieht, ist furchtbar! Was Jesus als abstoßende, erschütternde Beispiele im Evangelium des Sonntags berichtet nicht minder: ein Massaker unter Menschen während einer religiösen Zeremonie im Tempel, der Einsturz eines Turms, der viele Menschen unter sich begräbt (vgl. Lk 13,1-9).

Solange Unheil, Ungerechtigkeit und Not noch weit weg scheinen (bei aller Nähe halten Fernsehn und Internet uns ja trotzdem die Dinge irgendwie „vom Hals“), ficht es uns nicht an. Nun aber „kommen die Einschläge näher“ (ein Ausdruck, den ein älterer Freund gerne gebraucht, wenn Weggefährten aus alten Zeiten sterben).

 „Nur ein Wesen, das frei ist, kann Angst haben … und nur ein Wesen das verantwortlich ist, kann schuldig werden. Daraus ergibt sich, dass ein Wesen, das zum Freisein und Verantwortlichsein begnadigt ist, zum Ängstlichwerden und Schuldigwerden verurteilt ist.“[1]

Diese Worte des Psychotherapeuten Viktor Frankl machen deutlich, warum wir uns so fühlen, wie wir uns gerade fühlen: eingeschüchtert, machtlos, voller Wut, hilflos, verängstigt – schuldig? Jesus baut im Evangelium keine Drohgebärde auf, aber er nimmt die Distanz raus: Hier ist die Ukraine, hier ist Krieg, du bist das Kind, die Mutter auf der Flucht, du bist obdachlos geworden! Zurecht? – Nein, hier sagt der Herr: Stopp! So urteilt ihr, Gott ist anders.

Sicher sind schlimme Folgen das Ergebnis böser Taten, aber nicht zwangsläufig. Ich kann umkehren, kann Verantwortung übernehmen, Angst überwinden durch Zuwendung, Hilfe, Einsatz meines Lebens und damit Frucht bringen, vielleicht wider Erwarten.

Das Gleichnis vom Feigenbaum, das Jesus zur Erläuterung heranzieht, hat es in sich: Der Besitzer (Gott) will den seit drei Jahren unfruchtbaren Strunk von seinem Gärtner (Jesus) umhauen lassen. Der aber schlägt vor, dass er sich um den Feigenbaum kümmern wird, wirklich kümmern. Es besteht immer noch Hoffnung: „Und selbst wenn nicht, dann soll sonst wer ihn umhauen, ich nicht, ich stehe bis zuletzt zu meinem Gewächs. Ich liebe diesen Baum selbst in seiner Unfruchtbarkeit.“

Macht uns das nicht ein wenig zuversichtlich? Drängt uns diese Zusage nicht dazu, in Freiheit und Verantwortung zu handeln, zu versöhnen in Wort und Gebet?

Ihnen allen einen gesegneten Sonntag!

Pfr. Dr. Andreas Martin

Caritasrektor des DiCV Dresden-Meißen

 

P.S: zum Evangelium: P.S. Clemens Pilar https://www.youtube.com/watch?v=CSqaJJWH-08

[1]Viktor E. Frankl in: Lukas, Elisabeth: Psychotherapie in Würde, Bamberg 2020, Kindle-Version, KP 1756ff.


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