Sonntagsgedanken, 19. September 2021


Bild: Sambeet D auf Pixabay

Gedanken zum 25. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Liebe Schwestern und Brüder,
liebe Freunde von Mooshausen,

vielleicht kennen Sie den von Mutter Teresa überlieferten verbalen „Schlagabtausch“ mit einem Journalisten, der über ihren „Sklavendienst“ an den Sterbenden in Indien meinte: „Eine solche Arbeit würde ich nicht für eine Million Dollar tun!!!“ – „Ich auch nicht“, kam es von Mutter Teresa zurück.

Was diese Frau getan hat, was ihre Schwestern bis heute weltweit tun, ist ein Beispiel für den „anderen Anfang“. Diesen philosophischen Begriff bezieht Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz auf Maria[1], die Mutter Jesu. Sie wählt nicht den Mainstream des „Mehr“, des „Wachstum“ und „America… I, we first!“, sondern das „Siehe, ich bin die Magd des Herrn“ (Lk 1,38).

Kinder, wie sie im Sonntagsevangelium erwähnt werden, wurden im Orient als Eigentum der Eltern betrachtet, sie konnten auch „verkauft“ werden, d. h. für niedere Dienste am Tisch, u. a. den Gästen die Füße zu waschen, gegen Bezahlung ausgeliehen werden. Sie waren eher Sklaven als geliebte Geschöpfe. Sie aufzunehmen hieß, ihnen Menschenwürde zuzusprechen, sie am gemeinsamen Tisch Platz nehmen zu lassen.

Der Sterbende in Indien hat die gleich Würde wie der noch so honorige Politiker oder Wirtschaftsboss, wie eine noch so attraktive Schönheit im Filmgeschäft.

Wir sind durch Beruf oder auch Berufung oft nicht in der Position über erste Plätze zu debattieren. Befragen wir aber unser Herz, dann wären wir schon gern weiter „oben“, eben „am Anfang“, doch da ist schon alles zuende! Glauben Sie mir!

Wenn wir mit der Botschaft des Evangeliums in dieser Welt noch punkten wollen, dann nicht durch Anpassung, durch „Softnews“ und Zuständigkeitsgerangel.

Wer den Rücken beugt, weil er Gott anbetet und sich seinem Willen unterstellt, wer sich so hinunterneigt zu den „Kleinen“, hat wirklich Rückgrat und er hat das Potential, sich selbst und andere aufzurichten.

Vorige Woche war es Petrus, der es nicht ertragen konnte, dass „der Christus“ leiden sollte und er wird – „Hinter mich, du Satan!“ – in die strikte Nachfolge Jesu zurückge“pfiffen“, diesmal sind es alle Jünger, die – peinlich, peinlich das mit dem Sterben! – einfach überhören, was der Herr ihnen ankündigt, ja auch ihnen, natürlich! Aber sie haben andere Probleme oder beschäftigen sich mit „wichtigeren“ Fragen!

Noch ein drittes Mal wird Jesus den Seinen ankündigen, was ihm und letztlich dann auch ihnen bevorsteht (Mk 10), aber auch da haben sie andere Probleme und wieder geht es ihnen um Ehrung und Ansehen.

Werden wir es noch begreifen und auch akzeptieren, dass wir immer wieder unsere Dinge, unser Leben falsch anfangen:

Vor ein paar Tage wurde ein junger Mann getauft. Sein Lebens- und Leidensweg war dramatisch. Neben Missbrauch, physischer Gewalt, Verstoßung durch die eigenen Eltern, Kinderheim, Alkohol und und und… Er war regelrecht in der Macht des Bösen. Ein befreundeter Priester wollte ihm helfen. Doch musste der sehr schnell erkennen, dass da Kräfte und Mächte am Werk waren, die sich seinen unbedarften Hilfsaktionen massiv widersetzten. Er musste erkennen, dass er bei sich selbst anfangen musste. Sein geistliches Leben zu vertiefen, sich selbst von Abhängigkeiten und eingeschliffenen Gewohnheiten zu befreien und befreien zu lassen.

Nach und nach konnte er so auch dem jungen Mann helfen. „Er ist ein völlig anderer Mensch geworden, schon physisch ist er kaum noch wiederzuerkennen“, und „Ich selbst bin wohl auch neu geworden.“ gestand mein Freund.

Ist das vielleicht der „andere Anfang“, der mit meinem „Fiat“ beginnt?! Amen.

Pfr. Dr. Andreas Martin

Caritasrektor des DiCV Dresden-Meißen

[1]Gerl-Falkovitz, H.-B.: Maria. Der andere Anfang, Heiligenkreuz 2016


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