Die päpstliche Internationale Theologische Kommission bezieht sich auf Guardini und seine Gegensatz-Lehre



Ist Guardinis Denken noch aktuell? Die päpstliche Internationale Theologische Kommission beantwortet diese Frage in ihrem neuesten Dokument „Quo vadis, humanitas?“, indem sie Guardinis Gegensatz-Lehre aufgreift, um sich den höchst aktuellen Themen Trans- und Posthumanismus zu nähern. Transhumanismus wird dabei als das Streben verstanden, über die menschliche Form hinauszugehen, alle materiellen und wissenschaftlichen Ressourcen zu nutzen, um die Begrenzungen menschlichen Daseins wie Alter und Tod zu überwinden (vgl. Nr 14). Posthumanismus kritisiert diese immer noch anthropozentrische Denkweise und versucht stattdessen, die Grenzen zwischen Mensch und Maschine nach und nach aufzuheben (vgl. Nr 15).

Die Kommission versucht nun, ein anderes Bild des Menschseins zu zeichnen — ausdrücklich mithilfe der Gegensatz-Lehre Guardinis (vgl. Nr. 129). Diese wird noch mit einigen Strichen nachgezeichnet: Es geht nicht um zwei Pole, die einander ausschließen, sondern in lebendiger Spannung zueinander stehen und geradeso das Lebendig-Konkrete ausmachen. Diese Spannung zu leben und auszuhalten, macht eben das Menschliche aus — nicht sie auszumerzen oder zu umgehen (Vgl. Nr. 130-133). Die Kommission macht — ausgehend von diesen Gedanken — einige Grund-Gegensätze der menschlichen Existenz aus: männlich-weiblich, einzeln-gemeinsam, endlich-unendlich u.a. Diese Gegensätze finden nicht Aufhebung, sondern Erlösung in Christus (vgl. Nr. 134ff.).

An bestimmten Stellen scheinen noch weitere Texte Guardinis anzuklingen, auch wenn er nicht explizit genannt wird.[1] Auf jeden Fall zeigt sich hier die bleibende Aktualität Guardinis. Nicht nur die Inhalte seines Denkens, sondern gerade auch seine Methode zeigt sich als wegweisend.

 

19.03.2026; Pfarrer, Marc Grießer, Attenweiler

 

[1] Nr. 132: Die Bedeutung des Dogmas vom dreieinigen Gott für das sittliche Leben der Gemeinschaft (1916), in: Wurzeln eines großen Lebenswerks. Aufsätze und kleine Schriften, Bd. 1, Mainz, Paderborn 2000, 45—53 und Nr. 133: Vom Wesen katholischer Weltanschauung (1923), in: Unterscheidung des Christlichen. Gesammelte Studien 1923—1963, Bd. 1: Aus dem Bereich der Philosophie, Mainz Paderborn 31994 (unveränderter Nachdruck der 2. Auflage, Mainz 1963, 1. Auflage 1935), 21—43.


Aktuelles – Archiv

Veranstaltungen

25. März. 2026 19:30 Uhr

Status: ohne Anmeldung

29. Apr.. 2026 19:30 Uhr

Status: ohne Anmeldung

10. Juli. 2026 16:00 Uhr bis
12. Juli. 2026 12:00 Uhr

Status: Anmeldung möglich