Jahresübersicht 2003


— 2003 —

 

 


8.-9. Februar 2003

Maria Jochum 1903-1984

Die Feiern zum 100. Geburtstag des Dirigenten Eugen Jochum am 1. November 2002 lenken den Blick auch auf seine Frau Maria Jochum, deren Geburtstag sich am 5. Februar 2003 gleichfalls zum 100. Mal jährt. Nachdem der Freundeskreis Mooshausen in einer Studientagung im Juni 1998 ein Lebensbild von Eugen Jochum gezeichnet hatte (s. Brief aus Mooshausen Nr. 4), entstand der Plan, auch die Persönlichkeit von Maria Jochum im Rahmen einer Studientagung zu würdigen. Die besondere Begabung und eigenständige Prägung von Maria Jochum ist bislang weitgehend unbekannt geblieben und ihre Darstellung dürfte für einen interessierten Kreis manche Überraschung bieten. Maria Montz und Eugen Jochum hatten sich 1925 auf Burg Rothenfels kennengelernt und über Romano Guardini Beziehungen zum Pfarrhaus in Mooshausen und einem damaligen Freundeskreis entwickelt. Veronika Jochum von Moltke und Romana Jochum haben Dr. Renate Krüger und Elisabeth Prégardier in großzügiger Weise das Familienarchiv geöffnet und somit die Voraussetzungen für eine Anthologie von Gedichten, Essays und Briefen geschaffen. Unter dem Titel „Behütetes Feuer“ wird am 9. Februar in Zusammenarbeit mit der Eugen-Jochum-Gesellschaft diese Publikation in Ottobeuren der Öffentlichkeit vorgestellt.

Referenten:
Dr. Renate Krüger(Schwerin), Dr. Monika Cämmerer (Karlsruhe),
Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz (Dresden),
Prof Veronica Jochum von Moltke (München)

 

     
 


15. März 2003

Gertrud von le Fort und…

„Ich staunte über die Kühnheit dieser Frau, mit der sie ohne Zögern das jeweils brennendste Thema aufgriff. In der 1931 erschienenen großen Novelle „Die Letzte am Schafott“ sah man die brauen Kolonnen mit ihren blutroten Fahnen aufziehen und hörte ihren Marschtritt und ihren Gesang; in der „Magdeburgischen Hochzeit“ erschien die Vision der vernichteten Städte (…); im „Kranz der Engel“ wurde der innere Kampf mit dem Dämon des neuen Heidentums ausgefochten; in der „Consolata“ sah man den Wahnsinn in sich zusammenbrechen. Diese Frau empfing innere Befehle und gehorchte ihnen.“
Arthur Maximilian Miller

Referenten:
Karl Bongardt, Berlin, Daniel Winiger, Augsburg, Dr. Antje Kleinewefers MA, Krefeld

     
 


16.-18. Mai 2003

Buddhismus und Christentum

Seit dem 19. Jahrhundert gibt es im deutschsprachigen Raum eine Buddhabegeisterung. Sie verstand sich zunächst als Sache einer intellektuellen Minderheit (Schopenhauer, Rilke, Hesse), erreicht aber seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts durchaus die breite Menge. Und zwar im selben Maße, wie die Anziehungskraft des Christentums in Europa nachläßt. Zenbuddhistische Übungen scheinen interreligiös austauschbar. Den agnostischen Gruppierungen postmoderner und postkommunistischer Gesellschaften liegt eine Form von „Selbsterlösung“ nahe, wie sie aus der götterlosen buddhistischen Daseinsanalyse angeboten wird. Demgegenüber erscheint das Christentum als fordernd, fremdbestimmend. Schöpfung, Sündenfall, Erlösung, Auferstehung, ein personaler Gott – dies werden zunehmend unverstandene Fremdworte im christlichen Europa. Dennoch ist nicht eigentlich die Sehnsucht nach Erlösung erloschen – nur bedarf sie offenbar einer neuen und neu übersetzten Auskunft. Die Tagung dient dem Abwägen von Nähe und Ferne zwischen diesen beiden großen Botschaften.

Referenten:
Prof. Dr. Horst Bürkle, München
Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz; Dresden

 

     
 

27.-29. Juni 2003

Friedrich Hölderlin (1770.1843) – Geheimnis einer Dichtung

Lebenslauf
„Hoch auf strebte mein Geist,
aber die Liebe zog schön ihn nieder;
das Leid beugt ihn gewaltiger;
so durchlief ich des Lebens Bogen
und kehre, woher ich kam.“

Hölderlins Dichtung birgt ein Geheimnis: das Dasein, die Natur, die Menschen, die Götter sind Chiffren eines Heiligen, das zu äußerster, auch verschlüsselter Darstellung herausfordert. Die Tagung stellt Elemente dieses bis ins Visionäre reichenden Dichtungsprozesses vor.

Referenten:
Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Dresden, Dr. Sandra Kluwe, Heidelberg
Martin Lindemann, Augsburg, Dr. Angela Nüssler, Augsburg

 

     
 

18.-20. Juli 2003

Fremde Nähe, Musik, Liturgie und Religion der Gegenwart

Für das alte Europa, dem Europa vor der Aufklärung, war – bei allen, gelegentlich heftigen, Auseinandersetzungen im Einzelnen – die Zusammengehörigkeit von Musik, Liturgie und Religion eine Selbstverständlichkeit. Musik als creatura, als Teil und klingender Ausdruck der Schöpfungsordnung, hatte damit einen fundamentalen religiösen Bezug und war prinzipiell kultfähig. Nach der Aufklärung ist dieses Verhältnis sehr viel schwieriger und dialektischer geworden. Aber hat es aufgehört zu bestehen? Gibt es in der Gegenwart der Musik (eine „Gegenwart“, die in unserer Tagung das ganze vergangene Jahrhundert zu ihrem Horizont hat) Möglichkeiten fruchtbarer Begegnung von Religion, Musik und Liturgie? Wie kann heute dieses Verhältnis bestimmt werden? „Fremde Nähe“ ist ein Paradox, das das spannungsvolle, gegenstrebige Gefüge dieser Beziehung zum Ausdruck bringen will, die Entfremdungen und Brüche ebenso, wie das immer neue voneinander Angezogensein, dem ein tieferes Bezogensein zu Grunde liegt – möglicherweise.

Die Tagung konnte aus organisatorischen Gründen leider nicht stattfinden.

 

     
 

20. September 2003

Die Musik der Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen war benediktinische Ordensfrau, Klostergründerin, Komponistin, Dichterin, Sängerin, Medizinerin, Theologin und Mystikerin. In ihrer liturgischen Musik sind all diese Tätigkeiten aufgehoben: Ihre Antiphonen, Responsorien und Sequenzen sind für die Liturgie entstanden, die Hildegard mit ihren Schwestern täglich sang, die Texte zu diesen Kompositionen spiegeln die farbenreichen mystischen Visionen der Ordensfrau wider, und im allegorischen Spiel Ordo virtutum drückt sich die Kosmologie ihres theologischen Hauptwerkes Scivias aus.

Die Studientagung gewährt einen Einblick in das reiche musikalische Schaffen Hildegards. Im Vordergrund steht das Hören – sowohl von der CD als auch im gesanglichen Vortrag durch die Referentin –, das einen unmittelbaren Zugang zur starken Persönlichkeit und Individualität der Ordensfrau aus dem 12. Jahrhundert schafft.

Referentin
Dr. Linda Maria Kolda, Stuttgart

 

     
 

17.-19. Oktober 2003

Martyrium im 20. Jahrhundert

Unter dem Titel „Martyrium im 20. Jahrhundert“ wird sich die Tagung einem Thema zuwenden, das in jüngster Zeit in der allgemeinen sowie kirchlichen Öffentlichkeit und erst allmählich auch innerhalb der Wissenschaft diskutiert wird. Aktueller Anlass hierfür ist einerseits das Phänomen der islamistischen Selbstmordattentäter, das auf eine Ausweitung des Martyrerbegriffs verweist. Andererseits arbeiten die beiden christlichen Großkirchen in Deutschland an Verzeichnissen ihrer Märtyrer des gerade vergangenen Jahrhunderts und damit auch ihrer eigenen Erinnerungskultur. Die wissenschaftliche Diskussion über Martyrium und Märtyrer im 20. Jahrhundert steht indes noch am Anfang. Hier gilt es vor allem in drei Bereichen voranzukommen: 1. bei der Definition der Begriffe Märtyrer und Martyrium und deren Abgrenzung gegenüber Nachbarbegriffen wie z. B. „Opfer“; 2. bei der historischen Analyse der Martyrerrezeption im 20. Jahrhundert; 3. beim interkulturellen Vergleich. Mit Hilfe der ausführlichen Vorträge und Diskussionen will die Tagung hier Fortschritte erzielen und zugleich weitere Forschungen anregen. Dieses Ziel soll vor allem auch durch die interdisziplinäre und interkonfessionelle Zusammensetzung der Vortragenden und Diskutanten erreicht werden. Im Zentrum der Veranstaltung stehendrei Referate, die dem Phänomen Martyrium und seiner Rezeption im protestantischen, katholischen und außerchristlichen Raum nachgehen. Daneben wird Forschern, die im Umfeld des Tagungsthemas arbeiten, die Gelegenheit gegeben, ihre neuen Ergebnisse zur Diskussion zu stellen. Der Schwerpunkt liegt hier auf der Zeit des Nationalsozialismus.

Leitung:
Prof. Dr. Hans Maier, (München), Prof. Dr. Carsten Nicolaisen (München)

 

     
 


7.-9. November 2003

Romano Guardinis Brief an Josef Weiger

„…aber dennoch hast Du die Kraft der breiten Wurzeln und der Äste, die aus dem Irgendwo den umhüteten Raum herausformen, und so fühlen die Menschen bei Dir Zuhause. Ich aber bin immer draußen.“ Guardini an Weiger, 2. 11. 1930

Im Nachlaß von Josef Weiger befinden sich kostbare und offensichtlich mit Sorgfalt bewahrte rund 200 meist handschriftliche Briefe Guardinis. Zum einen dokumentieren sie den sachlichen Austausch zwischen den beiden jungen Theologiestudenten und dann zwischen den Priestern: Austausch von Gedanken, Predigten, Lesehinweise, Zeit- und Kulturkommentare. Zum anderen führt die Denkgemeinschaft auch ins Persönliche: in die hochfliegenden Pläne der Jugend, die seelischen Gefährdungen, die Schwermut, das Gelingende, die wachsende Meisterschaft, später die Beschwernisse des Altwerdens. Die große Vornehmheit und Fähigkeit Guardinis zur Welt- und Selbstbeschreibung wird aufs Neue in diesen Briefen deutlich. Die Tagung will damit auch an den 35. Todestag des großen Theologen
am 1. Oktober 1968 erinnern.

Referentin:
Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Dresden

 

     
 

29. November 2003

HORCHEN – HÖREN – GEHORCHEN: Josef von Nazareth

Im Gefängnis Berlin-Tegel schrieb der Jesuit Alfred Delp 1944 eine der schönsten Betrachtungen über Josef von Nazareth. Sie beginnt mit den Worten. „Er ist der Mann am Rande.“

In der Vorbereitung auf die diesjährige Adventszeit wollen wir die Gestalt des hl. Josef in der Geschichte der Kirche betrachten und fragen, ob er einen Platz in der Kirche von heute hat.

Referentin:
Elisabeth Prégardier, Oberhausen

 

     
 

5.-6. Dezember 2003

Franz Schubert : Winterreise

Mit Franz Schuberts Liedkompositionen erreicht das romantische Kunstlied in deutscher Sprache einen ersten, ja möglicherweise sogar seinen eigentlichen Höhepunkt. 1827, ein Jahr vor seinem Tod, bündelte Schubert seine reichen Erfahrungen mit der damals noch jungen Gattung des Klavierliedes in der Winterreise zu einzigartiger Dichte und Intensität. Der Zyklus von 24 „schauerlichen Liedern“ – so benannte Schubert selbst angeblich die Winterreise gegenüber Freunden – erhebt sich trotz seines typisch romantischen Sujets in vieler Hinsicht zu zeitloser Gültigkeit: Die hier künstlerisch umgesetzten Erfahrungen von Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit, Orientierungsverlust und Selbstaufgabe, ausgelöst durch das Herausfallen aus sozialen Bindungen, sprechen auch vielen heutigen Hörer noch direkt aus der Seele. Schuberts Musik transponiert die inneren Erlebnisse des Protagonisten vor der Kulisse einer feindlichen, verlassenen Winterlandschaft mit unüberbietbarer Eindringlichkeit Durch nähere Betrachtung der Entstehungsgeschichte und der musikalischen Substanz, aber auch durch Hören und Diskutieren verschiedener Aufnahmen soll den Besuchern dieser Tagung die Winterreise nahe gebracht bzw. den Kennern des Zyklus ein noch lebendigeres Erleben dieses Liederzyklus’ ermöglicht werden. Musikalische oder gar musiktheoretische Vorbildung ist dafür nicht notwendig; wichtiger und hilfreicher ist die Zuneigung zu bzw. das Interesse an Schuberts Musik. Thematisiert wird u. a. an Hand der überlieferten handschriftlichen Partitur der Winterreise auch Schuberts Arbeitsweise, die im Laufe der Rezeptionsgeschichte seiner Werke Gegenstand irreführender Mythenbildung war: Dem objektiven Betrachter stellt sich Schubert heute nicht mehr als bloß eruptiv aus plötzlicher Intuition Schaffender dar; vielmehr lässt sich zeigen, dass auch er um die endgültige Gestalt seiner Werke gerungen hat und sich kaum jemals mit Erstfassungen zufrieden gab.

Referent:
Michael Wersin, M.A, Neusäß

 


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