Sonntagsgedanken, 31. Januar 2021


Von guten Mächten treu und still umgeben

„Von guten Mächten treu und still umgeben (…)“ – wer kennt es nicht, dieses eindrucksvolle Lied(gedicht) von Dietrich Bonhoeffer; ein einzigartiges Zeugnis von tiefem Gottvertrauen und zugleich eine Absage an alles Böse, alles Lebensverneinende und Leben Vernichtende.

Im Evangelium treffen wir heute auf einen Menschen, der von allen guten Geistern verlassen scheint und von einem unreinen Geist, der ihm innewohnt, regelrecht hin und her gezerrt wird. Der unreine Geist besaß ihn ganz – heißt also: das Böse, das, was nicht gesund und Glück verheißend ist, hatte die totale Macht über diesen – im Wortsinn – unglückseligen Menschen gewonnen.

Auch in uns selbst gibt es Manches, das unglücklich, krankhaft und böse ist – machen wir uns nichts vor, gestehen wir es uns ruhig ein. Und oft genug definieren wir andere ausschließlich über deren negative („böse“) Seiten und trauen ihnen nichts Gutes zu, weil sie zu oft anecken und eben dadurch auffallen.

Die Geschichte, von der wir im Evangelium hören, hat ihren Ort in der Synagoge, also dem jüdischen Lehrhaus, einem Ort des intensiven Austauschs und Gesprächs, der Lehre eben, aber auch einem Ort der Begegnung nicht nur unseres Miteinander sondern auch mit Gott, dem Geber alles Guten. Seinen Propheten, Jesus, treffen wir hier (nebenbei bemerkt: die Szene spielt in Kafarnaum, dem Wohnort Jesu). Er lehrt mit Vollmacht und alle, die ihm zuhören geraten ins Staunen. Auch bei dem Mann, der von einem unreinen Geist ganz in Beschlag genommen ist, bleibt diese Begegnung nicht ohne Folgen: das Böse in ihm schreit auf, will sich nicht von Jesus in Anspruch genommen wissen, das Gute und Heilsame, das Heilende in sich selbst zu entdecken und zu fördern.

Interessant, wie Jesus mit einem solchen Verhalten umgeht: er widerspricht nicht, lässt sich nicht auf argumentatives Diskutieren ein, appelliert nicht an den Verstand, er gebietet dem unreinen Geist schlichtweg zu schweigen. Und es wirkt. Das Unreine und nicht lebensfördernde verlässt den Mann unter lautem Wehgeschrei. Es schweigt sich zu Tode.

Auch in uns, ich sagte es bereits, wohnen „ach zwei Seelen in einer Brust“. Eine Therapie, wie diesem Zustand Abhilfe geleistet werden kann, ist die Stille, das In-sich-gehen, Einkehr bei sich mit Jesus, mit Gott finden und statt lauten Schreiens, das Gute tun.

So finden wir Ruhe und halten uns in rechter Weise an den Herrn, wie wir es in der Zweiten Lesung des Tages hören.

Pfr. Reinhold Sahner


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