Feiertagsgedanken, 2. Februar 2021


Darstellung des Herrn (Mariä Lichtmess)

Jene Zeiten sind vergangen: aber auch heute geht es für uns darum: Verstehen wir den Herrn? Verstehen wir Jesus? Wissen wir, was Er will? Folgen wir Ihm? Jene Parteien sind nicht mehr da. Kein Mensch weiß mehr von Pharisäern und Sadduzäern. Aber ihr Geist ist noch da; und heute wie damals handelt es sich darum: Zu wem sollen wir gehen?

Wollen wir zu denen gehören, die ihr Reich hier auf Erden suchen? Christus sagt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Joh 18,36). Wollen wir sein wie die Sadduzäer und unser Herz an Genuss hängen, an Wohlleben, an Bequemlichkeit, an Bildung? Dann werden wir wie sie dem Herrn verständnislos gegenüberstehen, und Er wird uns „eine Torheit“ sein.

Sollen wir aber den Herrn verstehen – und das wollen wir doch! Oder nicht? Das wollt ihr doch alle, nicht wahr? Es hängt ja alles, alles davon ab, dass wir verstehen, was Jesus will: dass uns die Augen dafür aufgehen, wer Er ist und wie all unser Heil bei Ihm ist, all unser Friede – dann, liebe Christen, müssen wir sein wie die Schlichten, Stillen, so wie Simeon und Anna und Lazarus und die alle. Müssen mit offenem Herzen zu Ihm kommen; mit Begierde lesen die Heilige Schrift; mit Eifer hören, was von Ihm gesagt wird; gern bei Ihm sein und mit Verlangen bitten. Und immer, immer wieder bitten: „Herr, tu meine Augen auf, dass ich sehe, wer Du bist und was Du willst.“

Dann wird auch uns einmal beschieden sein das unnennbare Glück, dass es uns so recht ins Herz hineindrängt, wer Jesus ist und was Er will.

Und so Gott will, können auch wir einmal die Worte sprechen, die jener selige alte Mann gesprochen, als er das Heilandskind auf den Armen hielt: „Meine Augen haben Dein Hein gesehen.“

Romano Guardini, Predigten zum Kirchenjahr
aus: Das Romano Guardini Gottesdienstbuch. Impulse und Lesetexte. Verlag Herder GmbH, 2018, 45)

 

„den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast.“

Gemeint ist der Gang, den Maria vierzig Tage nach ihrer Niederkunft zum Hause Gottes tat, um dort dem Gesetz gemäß ihr Kind Gott darzubringen. Alles Erstgeborene gehört Gott – dieses aber in einer jedes Sagen übersteigenden Weise. Voll stiller Würde in ihrer Armut legt sie das Kind in die Arme des Priesters und empfängt es gegen die kleine Opfergabe zurück. Simeon weissagt ihm das Schicksal des Erlösers und ihr das Leid, welches dessen Mutter auferlegt ist: „Dieser ist gesetzt zum Fall und zum Aufstehen vieler in Israel, und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele gehen, damit die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.“ (Lk 2,34-35) In die Lieblichkeit des ersten Kreises [des Rosenkranzes] klingt der bittere Ton des Leidens. Sie hat ihr Kind von Gott empfangen und ihm ihr ganzes Sein zur Verfügung gestellt. Es ist ihr Ein und Alles – aber es gehört ihr nicht zu eigen. Die erste feierliche Handlung ihrer Mutterschaft ist ein Opfer.

Was uns, wenn wir glauben und gehorchen, von Gott gegeben wird, gehört nicht zu unserer Natur. Das neue Leben ist nicht unser, wie eine Veranlagung oder ein Charakterzug oder ein Erlebnis, sondern Gabe und bleibt es. Es steht unter dem Willen und der Führung Gottes, und wir müssen immer bereit sein, von uns selbst weggerufen zu werden und in eine Pflicht, eine Entsagung, ein Schicksal hinüberzugehen, die ihren Sinn nur im Willen Gottes haben kann.

Romano Guardini, Der Rosenkranz Unserer Lieben Frau

aus: Das Romano Guardini Gottesdienstbuch. Impulse und Lesetexte. Verlag Herder GmbH, 2018, 45)


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