Wort zum Oster-Montag, 13. April 2020


Leere Straßen – leeres Grab

Liebe Leserinnen und Leser,

Am Ostermorgen machten sich Frauen auf, um den Leichnam von Jesus mit kostbaren Ölen zu salben, aber das Grab war leer. So steht es in der Bibel. Was wir normalerweise als Freudenfest begehen, war ein großer Schock, den ich auf dem Hintergrund der Coronakrise erst so richtig verstehe: Das Grab war leer, leer wie die Kirchen in diesem Jahr an Ostern, leer wie die Straßen und Plätze, leer wie Museen und Konzerthallen, leer wie manche Supermarktregale.

Ostern bedeutet zunächst einmal nichts anderes als die Leere auszuhalten. Ein vertrauter Mensch fehlt. Ich fühle mich einsam. Die Zukunft ängstigt mich. Es ist niemand da, an den ich mich wenden kann.

Leer war auch das Körbchen, das mir meine Mutter in Kindertagen am Ostermorgen in die Hand drückte. Mit dem leeren Körbchen durfte ich mich aufmachen, im Garten nach Ostereiern zu suchen. Weil ich meinen Eltern vertraute, wusste ich auch, dass ich sicher fündig werde. Ganz langsam füllte sich das Körbchen. Ganz langsam gelang es auch den Frauen am leeren Grab wieder einen Sinn in ihr Leben zu bringen. Ohne Vertrauen wäre dies nicht gelungen.

Die Coronakrise stellt unser Vertrauen auf eine harte Probe. Angst vor Ansteckung lässt uns misstrauisch werden. Hamsterkäufe zeugen von Misstrauen. Und manche nutzen die Gunst der Stunde, Misstrauen gegen die zu säen, die politische Verantwortung tragen.

Unser Zusammenleben kann aber nur gelingen, wenn wir uns gegenseitig einen Vertrauensvorschuss geben, wenn wir im anderen nicht den Gegner, sondern den Mitbetroffenen sehen und wenn wir denen etwas zutrauen, die versuchen, möglichst vernünftige Krisenentscheidungen zu treffen. Ohne ein solches Vertrauen würden wir – bildlich gesprochen – in einer Schockstarre am leeren Grab verweilen.

Für die Frauen am leeren Grab aber war Ostern ein Aufbruch und es hat sich für sie etwas geändert. Ihr Vertrauen hat sich gelohnt. Am Ende dieses Prozesses sehen sie Gott mit neuen Augen. Es ist nicht mehr das Bild vom „lieben“ Gott, der behütet und beschützt. Es ist die Erfahrung eines liebenden Gottes, der uns seine Anwesenheit auch in schweren und traurigen Zeiten zusagt. Die Bibel spricht von einer Liebe, die so stark ist, dass sie sogar den Tod überwindet.

Dr. Thomas Kleine

Krankenhausseelsorger im Zentrum für Seelische Gesundheit, Stuttgart


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