Sonntagsgedanken, 21. Juni 2020


Der Geist der Einheit führt zu Gott

Von Ostern über Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam in ein neues Kirchenjahr

 

 Lieber Freundeskreis,

in meinem letzten Wort zum Sonntag vom 3. Mai versuchte ich die bewegende Zeit der Auferstehung Jesu Christi als einen Grundantrieb unseres christlichen Glaubens zu beschreiben. Diese Zeit war im Wesentlichen geprägt von dem Verzicht auf den Besuch der Heiligen Messe und dem Empfang der heiligen Kommunion.

Die communio der Kirche kann nun wieder zusammenkommen und, wenn auch noch etwas verhalten, maskiert und mit großzügigem Abstand, miteinander Eucharistie feiern. Der Lobgesang ist jedoch in mancher Region immer noch verklungen. Verhaltensweisen, welche einem Kirchengänger[i] doch sehr fremd erscheinen und einen bitteren Beigeschmack erzeugen – ob das denn wohl alles so seine Richtigkeit hat? Das Herz drängt jedenfalls in eine andere Richtung: Herzensbeziehung, die nach Nähe sucht und sich gemeinschaftlich verbinden will; Herzensoffenheit, die sich innig ausdrücken will um Anteil zu nehmen. Schließlich zu einer Einheit, die durch Christus „zum christlichen, aus Gott lebenden Ganzen: ‚Leib Christi‘, Kirche [wird]. […] Glaube ist eine Kommunikation des Menschen mit Gott in Christus.“

(R. Guardini: Vom Leben des Glaubens, S.155). Und diese Kommunikation gipfelt im Vollzug des Sakramentes; das Essen der „heiligen Speise der Eucharistie.“ (vgl. a.a.O., S. 154). Was eine Freude, dass wir Menschen mit Leib und Seele teilnehmen können!

Ich habe bewusst das Thema „Einheit“ gewählt, da es mir besonders in dieser Zeit der Krise[ii] als dringend nötig erscheint darauf aufmerksam zu machen, dass wir schon seit Wochen in den Schrifttexten des Johannesevangeliums der vergangenen Sonntage bis Pfingsten von der Einheit zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist hören. Es passt einmal wieder mitten in unser Leben und dies soll uns trösten, da es eine frohe Botschaft jenseits von Trennung durch Isolation und Quarantäne ist.

Blicken wir noch einmal zurück und folgen wir Jesu Worte, die uns durch die Festtage von Ostern über Himmelfahrt bis Pfingsten und Fronleichnam begleiten und schließlich aus der Osterzeit in einen neuen Teil des Kirchenjahres Trinitatis senden, in dem wir uns nun befinden. Viel Zeit in den nächsten Tagen und Monaten das Geheimnis der Dreifaltigkeit zu betrachten und uns mit den kommenden Apostel- und Marienfesten, als Wegbegleiter, auf ein neues Kirchenjahr und das Kommen Christi zu freuen.

Der zweite Ostersonntag stand ganz im Zeichen des Friedensgrußes. Eine Aufforderung zur Öffnung aller verschlossenen Türen. „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. […] Empfangt den Heiligen Geist!“

(Joh 20, 21.22). Jesus schreitet einfach durch verschlossene Türen hindurch und ist sogar die Tür selbst, durch die auch wir gehen dürfen. Das wunderbare „Gleichnis vom guten Hirten“ am vierten Ostersonntag, welches Vertrauen weckt, als Schaf in der Herde, und auf einen verantwortungsvollen Umgang pocht, als Hirte einer Herde. „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; […] und [wird] Weide finden. […] ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10, 9-10). Das ewige Leben finden wir beim Vater, durch den Sohn. „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Joh 14, 6). Diese Kernaussage des fünften Ostersonntages richtet alle Augen auf Christus als den Sohn Gottes und seiner Verherrlichung, die sich durch die Himmelfahrt in krönender Weise vollendet. „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ (Joh 14, 1). Wie können wir uns von den vielen oft widersprüchlichen Meinungen dieser Welt besonders in der jetzigen Zeit leiten lassen und dort nach Gewissheit suchen, wo es keine gibt? Egal ob durch Vernunft geleitet oder im Glauben vertrauensvoll erhofft, sollten wir einem Geist folgen, der die Wahrheit ist. Und das ist keineswegs der Unsere! „Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt.“ (Joh 14, 17) Es ist die Liebe zum Sohn und somit auch zum Vater von der das Evangelium am sechsten Ostersonntag spricht. „Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten, mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“ (Joh 14, 23). Dieser Geist, der vom Sohn[iii] ausgeht und uns in die ganze Wahrheit führt (vgl. Joh 15, 26; 16, 13) ist uns Pfingsten als Beistand gesendet worden. Wir sind geführt, wenn wir in ihm bleiben. Und um zurück zu dem zu kommen, was ich von Guardini am Anfang zitierte, und was das Hochfest Fronleichnam in aller Klarheit verkörpert, bleiben wir in ihm, wenn wir sein Fleisch essen und sein Blut trinken (vgl. Joh 6, 56). „Die Kirche lebt von der Eucharistie.“ (Johannes Paul II.: Ecclesia de Eucharistia, 1.) und es ist erstrebenswert dieses lebensspendende Geschenk wieder neu zu entdecken und mit unserem eigenen Fleisch und Blut zu empfangen.

Liebe Leser, ich möchte uns alle gerade jetzt zur Teilnahme an der Heiligen Messe ermutigen. Die Kirchen sind leerer geworden und wir dürfen nun nicht bequem oder gar ängstlich sein und zu Hause bleiben. Entdecken und verkünden wir die Schönheit unserer schon bestehenden heiligen Riten und Zeichen neu und nehmen wir uns Guardinis Worte (aus: Von heiligen Zeichen, S.35) zu Herzen, wenn er daran erinnert, dass wir durch die Pforte der Kirche „in ein Drinnen [eintreten], […] still und geweiht: ins Heiligtum.“

Hohe, heilige Dreifaltigkeit,
von uns immer angebetet,
glorreiche Dreifaltigkeit,
wunderbare Einheit,
du bist das köstliche
und ersehnte Himmelsbrot.

Amen.[iv]

 

Manuel Hoppermann, Hamburg

[i] Ich meine all diejenigen, welche sich Tag für Tag, Woche für Woche zur Feier der Heiligen Messe gerufen wissen und damit einen treuen Dienst Christus und schließlich seiner gesamten Kirche gegenüber erweisen und somit teilhaben an seinem Opfer. (vgl. Papst Johannes Paul II.: Ecclesia de Eucharistia, 13.)

[ii] Die „Corona-Krise“, welche ihren Weg auch in die Kirche findet. Dabei verstehe ich Krise (gr.: krísis) ganz etymologisch als eine Chance zur Entscheidung.

[iii] Im Sinne unseres Trinitätsglaubens, im Glaubensbekenntnis nach Nicäa mit „filioque“ benannt, meine ich hier Sohn und Vater. In Joh 15, 26 nicht ganz eindeutig.

[iv] Alta Trinita beata, 15. Jahrhundert


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