Sonntagsgedanken, 07. Juni 2020


Wort zum Sonntag 7.6.2020 (Freundeskreis Mooshausen): Die Wiedergeburt im Heiligen Geist öffnet uns für die Erfahrung von Gottes Liebe

Am ersten Sonntag nach Pfingsten geht es um Gottes Liebe zu uns Menschen, die gerade durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen wird, wie Paulus im Römerbrief betont (Röm 5,5).

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat.“ (Joh 3,16-18)

Das Hingeben von Gott-Vater ist kein „Töten“ des Sohnes, wie kürzlich ein Mitglied unserer Pfarrei meinte, der den Vers missdeutete als: „der Vater gibt den Sohn hin heißt er tötet den Sohn am Kreuz“. Vielmehr handelt es sich hier um eine „Sendungsformel“ (Klaus Berger): Der Vater sendet seinen Sohn zu uns, damit wir die rettende Botschaft von seiner Liebe auf zwei Weisen „erfahren“: informativ im Verstand und erlebnismäßig im Herzen. Die Sendung Jesu hat eine Richtung: Das Wort wird Mensch, kommt von „oben“ nach „unten“, der Sohn steigt herab. Gott gibt seinen Sohn hin, d.h. zu uns herab, und dem entsprechend müssen wir Christen „von oben“ geboren werden.

Vor dem heutigen Abschnitt wird die Begegnung des Nikodemus mit Jesus erzählt. Hier geht es darum, die reine Weltlichkeit (Immanenz) zu überwinden – nicht aus eigener Kraft und Fähigkeit, sondern durch Gottes Gnade, die wir wirken lassen. Unsere Aufgabe ist es, uns zu öffnen für Gottes Tun, für seine Rettung. Wir werden das Reich Gottes nur sehen, wenn wir, wie Jesus Nikodemus auffordert, unser Sein verändern lassen – durch die Wiedergeburt im Wasser (Taufe) und im Heiligen Geist. „Wiedergeboren werden im Heiligen Geist“ – das ist ein Ereignis, das wir nur zulassen, nicht aber selbst herbeiführen können. Wir sollen von Sympathisanten zu Jüngern Jesu werden, durch die „Geburt von oben her“, durch das „Werden wie die Kinder“ (Mt 18,3), „durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist.“ (Tit 3,5) Denn wenn wir es zulassen und als Erwachsene durch einen bewussten Akt im Gebet nachvollziehen, was durch Taufe und Firmung vielleicht unbewusst an uns geschehen war, dann werden wir wiedergeboren bzw. „neu gezeugt … aus dem lebendigen Wort Gottes, das da bleibt“ (1 Petr 1,23). „Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren und jeder, der den Vater liebt, liebt auch den, der aus ihm gezeugt ist“ (1 Joh 5,1); und: „er hat uns durch das Wort der Wahrheit geboren“ (Jak 1,18).

Guardini begründet die Notwendigkeit, dass wir wiedergeboren werden, in „Der Herr“ folgendermaßen: „Nur das kann man schauen, wofür man ein Auge hat. Nur das kann man erfassen, dem man verwandt ist. Also muß der Mensch in ein neues Dasein hineingeboren werden, soll er das Reich [Gottes] schauen können.“ (188) Eine wirkliche Geburt muss geschehen, „freilich aus dem Geiste“, „der ‚von oben‘ kommt, vom Vater gesendet wird: der Heilige Geist“. (189) Guradini betont die Wirkung des Heiligen Geistes als Verwandlung unseres Menschseins durch folgende Verse: „Da wird dann der Geist des Herrn über dich kommen, so daß du … in Begeisterung gerätst und in einen anderen Menschen verwandelt wirst.“ (1 Kön 10, 6; auch Apg 2, 1-21; 1 Kor 12-14). Ist das auch bei Als-Kind-Getauften nötig? Ja – den Geist wirken lassen, ist ein aktives Zulassen unsererseits. Wir dürfen das Geschenk, das wir in Taufe und Firmung erhalten haben, auspacken und anwenden, sollten es nicht achtlos liegen lassen. Der Heilige Geist verhindert unsere Erstarrung, in Guardinis Worten: „Der Geist ist es, … in dem die erlösende Liebe, das, was schon, aber in Sünden besteht, umschafft. […] Je älter der Mensch wird, desto genauer sieht er die Grenzen [seines natürlichen Lebens]; verfestigt sich, ja erstarrt darin. Der Heilige Geist ist Schöpfer; so vermag er auch das bereits Seiende in Bewegung zu bringen. Er befreit es aus der Verfangenheit in die erste Geburt und macht es zum Stoff einer neuen Schöpfung. Er löst die Grenzen des ersten Selberseins auf ein Neues hin, wie die Pfingstliturgie sagt: ‚Sende aus Deinen Geist, und alles wird neu geschaffen, und umgewandelt wird das Angesicht der Erde.‘“ (190)

Die Schranke der Sünde zwischen Gott und Mensch „legt der Heilige Geist nieder. … er ist ja selbst Gottes Herz, Gottes ewige Innigkeit – trägt das heilige Leben in den Menschen, hebt den Menschen in den Anfang. Nun ist nicht Vermischung, sondern Neusein, in einem nicht zu erdenkenden, nur aus Gottes Wort zu glaubenden ‚In‘; in einer unsäglichen Innigkeit; kraft welcher das Geschöpf Gemeinschaft des Lebens, Gemeinschaft des Herzens mit Gott hat.“ (190) „Gottes eigene Liebe, der Heilige Geist ist’s, um den es sich handelt. Er schafft ein neues Dasein; jenes, worin der Mensch aus dem Göttlichen lebt, und Gott das Menschliche zu eigen genommen hat. … Durch den Glauben aber, durch den Mitvollzug des Erlöserdaseins hat jedes Kind Gottes Anteil daran. Das ist die Wiedergeburt und das aus ihr entspringende neue Leben.“ (191)

Edith Stein erkannte: „Die Wiedergeburt vollzieht sich durch ein Zusammenwirken Gottes und des Menschen.“ (Was ist der Mensch? ESGA 15, 127) Der Mensch, vor allem der Erwachsene, muss lernen zu empfangen: „der Empfang der Gnade [bzw. des Heiligen Geistes] wird eine neue Geburt genannt“ (ESGA 15, 30). Der Mensch kommt von sich aus nicht zu dieser Wiedergeburt. Er muss laut Guardini etwas wagen „und hinüberrufen: ‚Du Herr, hole mich! Du sende Deinen Geist, daß er mich umschaffe. Du gib mir den neuen Sinn, der im Stande ist, das Deinige von Dir her zu denken. Du gib mir das neue Herz; aus Gottes Liebe geformt und fähig zu würdigen, was Gottes ist.‘“ (193)

Auch wenn wir schon getauft sind, betont Guardini, ist das Neu-Geschaffen werden ein Prozess: „Der Heilige Geist muß unser Denken und Ringen und Schaffen erfassen und neu machen. … ‚Du Schöpfer Geist, schaffe mich um! Der Du mich begonnen hast, vollende mich!‘“ (194) Ebenso weiß Edith Stein, dass es im „neuen Leben“ nach der Wiedergeburt dennoch im von Christus erlösten Menschen Hindernisse für die Tätigkeit des Heiligen Geistes gebe, weil Er „nicht mechanisch im Menschen wirkt, sondern sein beständiges freies Mitwirken verlangt. Schon sich beständig für das Einströmen der Gnade [des Heiligen Geistes] offen zu halten, ist Sache der Freiheit.“ (ESGA 15, 135f.)

Der Heilige Geist erinnert uns daran, dass wir geliebte Kinder Gottes des Vaters sind, in Ihm geborgen; dass wir Christus ähnlicher werden können, wenn wir den Heiligen Geist wirken lassen; und dass wir von Ihm zu den Menschen und Werken geführt werden, die gerade uns brauchen.

Lassen Sie uns mit Edith Stein beten: „Komm, Heiliger Geist, herab zu mir, erleuchte mich, ich folge Dir.“ (Zeugnis von Philomene Steiger, Seligsprechungsakten; Herbstrith 1995, 53-55)

Dr. Beate Beckmann-Zöller, München


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