Mooshausen Medien » Josef Bärtle

Josef Bärtle wurde 1892 in Mooshausen geboren und 1916 in Rottenburg zum Priester geweiht.

Die Familie Bärtle wohnte direkt neben dem Pfarrhaus in Mooshausen, in welchem von1917 bis 1966 Josef Weiger Pfarrer von Mooshausen war und später als Ruheständler weiter dort wirkte.

Aus der lokalen Nachbarschaft entwickelte sich ein herzliches Miteinander der beiden Priester, in das auch Romano Guardini, der beste Freund von Josef Weiger, einbezogen war.

1935 berief Bischof Sproll Josef Bärtle zum Geschäftsführer und 1938 zum Direktor des 1933 gegründeten Kath. Bibelwerkes Stuttgart. Wegen der starken Bombardierungen verlegte gegen Kriegsende Josef Bärtle auf Anraten von Romano Guardini die Geschäftsstelle in sein Elternhaus nach Mooshausen.

Ein jäher Unfalltod in Mooshausen riss Josef Bärtle im Mai 1949 aus rastloser, erfolgreicher Tätigkeit. Seine letzte Ruhestätte fand er im Familiengrab in Mooshausen neben seinem Vater Philipp Bärtle (+1942), dem letzten Illerflößer und seiner Schwester Mina Bärtle (+1948), die 18 Jahre lang den Haushalt von Pfarrer Weiger geführt hatte.

An Philipp, Josef und Mina Bärtle erinnert seit Juni 2016 eine Gedenktafel an der äußeren Mauer der Dorfkirche von Mooshausen.


» Übersicht (PDF) über Leben und Werk Josef Bärtles von Elisabeth Prègardier als Hand-Out anlässlich ihres Vortrags im Juni 2013 in Mooshausen.


Ausstellung, Predigt und Festvortrag zum 100. Weihetag

von Josef Bärtle 2016

 1. Einladung und Programm

 

Programm-Faltblatt » hier (PDF)


 
 

 

2. Ausstellung im Alten Schulhaus

» hier

 


3. » Predigt von Professor Dr. Alfons Knoll

Priester der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Gottesdienst zum Gedenken
an Pfarrer Josef Bärtle

Mooshausen, 12. Juni 2016

  1. Sonntag im Jahreskreis (C)

Schrifttexte: 2 Sam 12,7–10.13; Gal 2,16.19–21; Lk 7,3–8,3.

Einführung

Herzlich willkommen zu diesem festlichen Gottesdienst aus Anlass der 100. Wiederkehr der Priesterweihe und der Primiz von Pfarrer Josef Bärtle. Geboren wurde er am 3. Mai 1892 hier in Mooshausen, nach der Gymnasialzeit in Ehingen und dem  Theologiestudium in Tübingen empfing er am 7. Juni 1916 im Dom zu Rottenburg die Priesterweihe und feierte eine Woche später am 14. Juni 1916 seine Heimatprimiz in Mooshausen.

Ich freue mich sehr, dass die kirchliche wie die weltliche Gemeinde von Mooshausen sich hundert Jahre später innerhalb eines Festgottesdienstes an dieses Ereignis erinnert und die Gestalt dieses Priesters in einer anschließenden Gedenkstunde angemessen würdigt. Jetzt aber, im Rahmen des Sonntagsgottesdienstes, wollen wir in erster Linie das tun, was Josef Bärtle selbst in den Mittelpunkt seines Wirkens als Priester gestellt hat – was immer sonst noch sein Anliegen war: Wir feiern Eucharistie.

Halten wir kurz inne und sammeln uns, damit wir diese Feier in der rechten Weise begehen können.

 

Predigt

Im anschließenden Festakt werden wir den Beitrag Josef Bärtles für die Kirche, für die Gläubigen, für die Heilige Schrift zu würdigen haben. Jetzt soll es vor allem um das gehen, was vor hundert Jahren geschehen ist: um die Priesterweihe eines jungen Mannes hier aus dieser Pfarrei! Da ein solches Ereignis seitdem nicht wieder vorkam – wenn ich hier nicht falsch liege – und es hundert Jahre später überhaupt sehr selten geworden ist, dass ein junger Mensch diese Berufung in sich spürt und sich auch entschließt, sie zu leben (die Gründe lassen wir einmal dahingestellt), sollten wir uns aus diesem Anlass vor allem auf das Amt des Priesters besinnen und als Gemeinde dafür danken, dass es in ihr einen gab, der diesen Weg tatsächlich ging.

Wir brauchen in unserer Kirche nicht nur Priester, liebe Mitchristen. Gottseidank gab es zu allen Zeiten und gibt es auch heute unzählige Gläubige, die hier in Mooshausen und an den vielen Orten der Diözese Rottenburg-Stuttgart und in der Weltkirche auf ihre je eigene Weise den Glauben gelebt haben und leben – in Ehe und Familie, in Staat und Gesellschaft, in Beruf und ehrenamtlichem Engagement, auch in einem kirchlichen oder caritativen Beruf. Doch sei es gestattet, aus gegebenem Anlass heute vor allem auf die Berufung der Priester das Augenmerk zu lenken, die in unserer Zeit so schrecklich rar geworden zu sein scheint.

 

Von der jüdischen Dichterin Nelly Sachs ist mir eine Gedichtzeile im Ohr: „Wenn doch die Propheten aufstünden …“

Priester sind nicht einfach „Propheten“ – weder in dem Sinne, dass sie die Zukunft vorhersagen können, noch in dem Sinne, dass sie ständig jemanden ins Gewissen reden wie etwa der Prophet Natan aus unserer ersten Lesung. Wenn „Propheten“ Menschen sind, die das Wort Gottes bezeugen – ob gelegen oder ungelegen – dann muss Prophetengeist in allen Getauften und Gefirmten am Werk sein. Niemand, der erfasst ist von der Wirklichkeit Gottes, kann schweigen darüber. Und wo Unrecht geschieht, wird er dagegen aufbegehren – so wie Natan, als er mitbekommt, welche unsägliche Verbrechen sich David geleistet hat,  nur um seine Lust nach der Frau eines anderen Mannes zu befriedigen.

Aufrechte, wagemutige Menschen braucht unsere Kirche, Priester wie Laien wie Ordensleute sollten hinstehen für ihren Glauben, für die moralischen Werte der Menschheit, für die Treue zu dem, was sich aus der Treue zum Gott Israels und zum Gott Jesu ergibt. Das ist Sache nicht nur des Priesters, wohl aber ist der Priester hier an vorderster Stelle gefragt.

In unterschiedlicher Weise: Rupert Maier und Bischof Sproll haben ihr Prophetenamt auf spektakuläre, geradezu kämpferische Weise ausgeübt, Josef Weiger und Josef Bärtle eher auf stille Weise. Unüberhörbar und unübersehbar waren aber auch sie.

Wenn doch wieder mehr solcher Priester aufstünden – Priester mit prophetischen Visionen, prophetischem Mut, prophetischer Redegewalt, prophetischer Treue, prophetischem Glauben! Mooshausen dankt dafür, dass aus diesem Ort ein solcher Priester hervorgegangen ist. Bitten wir um weitere geistbegabte Männer, die diesen Weg gehen – nicht um als einzige für Gott die Stimme zu erheben, sondern eher um andere mitzureißen und zu ermutigen zu einem lebendigen Glauben in einer geisterfüllten Kirche!

 

Paulus stellt sich nicht als Prophet vor, sondern als Apostel. Das heißt „Gesandter“. Gemeint ist einer, der noch direkt von Jesus selbst „gesandt“ ist und dem Jesus zugesagt hat: Wer euch hört, hört  mich!

Daher ist Paulus gerade im Galaterbrief, aus dem unsere zweite Lesung kam, so hartnäckig, als es darum geht, für ein Christentum einzutreten, in dem man sich als Mann nicht mehr unbedingt beschneiden lassen muss. An sich hat er nichts dagegen. Er ist ja selbst ein Jude und daher beschnitten. Und auch Beschnittene sind eingeladen, in die Kirche einzutreten. Wo aber dieser Akt über alles gestellt wird, wo er Christus selbst in den Schatten stellt, da sieht er den Kern des Evangeliums in Gefahr und kämpft dafür, dessen Kern ins Zentrum zu rücken: Nicht durch Werke des Gesetzes werden wir gerecht, sondern durch den Glauben an Jesus Christus – das  ist für ihn das Wesentliche. Nicht mehr ich lebe, sagt Paulus, sondern Christus lebt in mir. Er macht mich zu einem Glied des Gottesvolkes, nichts sonst.

Auch hier gilt: Apostel sind wir alle. Wir bekennen uns nicht nur zu einer katholischen, sondern auch zu einer apostolischen Kirche. Das letzte Konzil hat vom speziellen Apostolat der Laien gesprochen, aber auch von der Treue zur Lehre der Apostel, auf deren Unverfälschtheit besonders die Bischöfe, der Papst und die Priester zu achten haben. Aber apostolisch sind die Priester nicht dann, wenn sie die Kirche hoch leben lassen. Apostolisch sein bedeutet vielmehr in erster Linie, Christus hoch leben lassen, Christus und seine Gnade.

Priester wie Josef Bärtle, Josef Weiger, Romano Guardini – sie haben ihr Herzblut dafür gegeben, Menschen zur Bibel hinzuführen, zum lebendigen Gotteswort, zu Christus. Dadurch waren sie apostolisch, auf der Spur der Apostel, wenn auch nicht einfach gleichzusetzen mit Menschen wie Paulus, der wie die Zwölf in besonderer, ja einzigartiger Weise Apostel war. Wenn wir die von den Aposteln überlieferten Worte mit der allergrößten Freude hören, meditieren und leben – dann sind wir apostolische Kirche. Und wenn wir keine Priester mehr haben, die dieses apostolische Wort in lebendiger Weise auslegen, Sonntag für Sonntag, Tag für Tag, in Wort und Schrift und Leben – dann fehlt unserer Kirche ihr unverzichtbares Fundament.

 

Was allerdings nicht nur die Apostel des Neuen Testaments, sondern auch die Propheten des Alten Testaments wussten, ist die eigentliche Pointe des Wortes Gottes, die es zu verkündigen, zu feiern und zu leben gibt. Und diese Pointe heißt, wie es unser Papst in unnachahmlicher Weise predigt: „Barmherzigkeit“.

Oder ist es etwa keine Barmherzigkeit, wenn selbst dieser übelste Verbrecher namens David auf ein schlichtes Reuegebet hin („Ich habe gegen den Herrn gesündigt“) bedingungslose Vergebung erfährt („Der Herr hat dir deine Sünde vergeben, du wirst nicht sterben“)? Wie kleinlich sind dagegen wir so oft, auch in der Kirche? Vergeben wir uns tatsächlich so viel, wenn wir mit der Gebrochenheit und Schwachheit aller Menschen rechnen, auch in Ehe und Familie und Sexualität – und einen Gott verkünden, der selbst einen David wieder aus dem Büßerstand entließ, als er wirkliche Reue zeigte? Oder ist das zu billig? Dann wäre allerdings auch unsere erste Lesung billig und der Prophet hätte seine Berufung verraten. Unrecht ist Unrecht, Sünde ist Sünde – aber am Ende steht Gottes Barmherzigkeit, und zwar nicht erst nach dem Tod.

Und ist nicht Jesus Christus, auf den Paulus seine ganze Existenz setzt – er, der Verfolger, der zum Apostel geworden ist – Gottes fleischgewordene Barmherzigkeit? „Ich missachte die Gnade Gottes in keiner Weise, denn käme die Gerechtigkeit durch das Gesetz, so wäre Christus vergeblich gestorben.“ Wir alle, auch wir Priester, sind selbst in höchstem Maße Tag für Tag auf diese Barmherzigkeit angewiesen. Wie unvollkommen sind wir doch, wenn wir ehrlich sind, wie anfällig für Irrtum, Feigheit, manchmal auch für Bosheiten aller Art. Ohne das „Herr, ich bin nicht würdig“ und die Vergebungsbitte des gottesdienstlichen Auftakts bliebe doch unsere Mitfeier bzw. unser Vorsteherdienst eine pure Selbstdarstellung. Nur ein Priester, der sich als demütiger Diener von Wort und Sakrament versteht und selbst das „Herr, ich bin nicht würdig“ aus ganzem Herzen spricht, ist jenem Evangelium treu, das Paulus so teuer wahr, dem Evangelium der Barmherzigkeit.

Und gerade die Sünderin aus dem Evangelium, auf die ich erst jetzt zu sprechen komme, weil sich diese Geschichte ganz von selbst versteht: Hat sie vorher schon Jesu Barmherzigkeit erfahren, so dass sie jetzt kommt, um ihre ganze Dankbarkeit in weiblicher Zärtlichkeit über ihn auszuschütten? Oder ist sie noch die Sünderin, die Suchende, die Verirrte, die sich an den einzigen klammert, der nicht mit Fingern auf sie zeigt und gerade dadurch von ihm Vergebung erhält? Die Geschichte lässt beide Varianten zu. Auf jeden Fall aber zeigt sie, wie herrlich Vergebung ist, wie sehr Barmherzigkeit verwandelt und wie gewaltig die Liebe Gottes menschliche Herzen so füllt, dass sie in Überfülle überströmen.

 

Ich wünsche mir Priester, die diese Liebe verbreiten. Prophetische, apostolische, barmherzige Priester.

Ich möchte selbst solch ein Priester sein bzw. immer mehr werden. Und wenn ich es nicht bin, so bleibt der Gott, den Jesus verkündet und den er selbst verkörpert und der durch ihn jetzt in dieser Feier präsent ist: ein kostbares Geheimnis, das kostbarste von allen, in das wir immer wieder eintauchen dürfen, um als neue Menschen aufzutauchen. Amen.


4. Festvortrag von Professor Dr. Alfons Knoll (Universität Regensburg)

Katholische Bibelbewegung in dunkler Zeit:
Das Wirken von Josef Bärtle (1892–1949)

Vortrag am 12. Juni 2016 im Alten Schulhaus von Mooshausen

Einleitung

Dieser Vortrag versucht einen ersten Blick auf Leben und Werk des Priesters Josef Bärtle, der am 3. Mai 1892 in Mooshausen geboren wurde und hier am 6. Mai 1949 an den Folgen eines Verkehrsunfalls starb. Vor ziemlich genau hundert Jahren wurde er in Rottenburg zum Priester geweiht (am 7. Juni 1916) und feierte anschließend (am 14. Juni 1916) in Mooshausen seine Heimatprimiz. Die meisten meiner Erkenntnisse über ihn verdanke ich neben der bisher einzigen einschlägigen Darstellung[1] und einigen versprengten Hinweisen in der Literatur[2] der unermüdlichen Sammelleidenschaft von Elisabeth Prégardier, der ich daher an dieser Stelle für ihr großes Engagement in dieser Sache noch einmal herzlich danke.

Leider ist es nicht möglich, in diesem Rahmen auf das gesamte Lebenswerk Bärtles einzugehen. Ich konzentriere mich im Wesentlichen auf seinen Beitrag für die Katholische Bibelbewegung in Deutschland, vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 und der unmittelbaren Nachkriegszeit. Zunächst geht es – immer mit dem besonderen Augenmerk auf Josef Bärtle – um die Katholische Bibelbewegung in der Diözese Rottenburg (1), dann um den geistigen Widerstand mithilfe der Heiligen Schrift (2) und schließlich um die Bedeutung der Bibel in den Zeiten des Wiederaufbaus nach 1945 (3).

 

1. Katholische Bibelbewegung in der Diözese Rottenburg

Das Pauschalurteil, die Katholische Kirche habe die Bibel entwertet und generell das Lehramt über das Wort Gottes gestellt, ist in dieser Zuspitzung sicher falsch. In einer seiner ersten Sitzungen hat das Konzil von Trient am 17. Juni 1546 betont, dass „der himmlische Schatz der heiligen Bücher“ in keiner Weise „vernachlässigt“ werden und „brach“ liegen dürfe, dass vielmehr an allen Bischofssitzen Lehrer anzustellen seien, die sich ausschließlich der Auslegung der Heiligen Schrift widmeten.[3] Die Liebe zur Heiligen Schrift bewegte in der Folgezeit unzählige geistliche Bewegungen innerhalb der Katholischen Kirche; auch die Schriftpredigt wurde von vielen Priestern und Bischöfen ausgeübt. Dennoch ist es richtig, dass oftmals eine ängstliche Sorge um sich griff, die Gläubigen möchten sich durch ungefilterte Lektüre der Schrift mit gefährlichen Ideen anstecken und dürften daher von den Hirten nur mit den ‚verdaulichsten‘ Stücken der Bibel versorgt werden, wobei die richtige Auslegung gleich mitzuliefern sei. Für die breite Masse der Gläubigen, insbesondere auf dem freien Land, war die Bibel daher in der Regel nur in der Form von ausgewählten „Biblischen Geschichten“, oft in freier Nacherzählung, präsent, ja eine Vielzahl von Seelsorgern hielt den Katechismus-Unterricht für wichtiger als die Bibel-Lektüre, zumal ihrer Ansicht nach der wesentliche Kern der Bibel ja in die Dogmen der Kirche eingegangen war.

Wie weit von dieser Haltung entfernt ist bereits das Vorwort des Rottenburger Bischofs Paul Wilhelm von Keppler (1852–1926) aus dem Jahr 1915, geschrieben für eine deutsche Übersetzung des Neuen Testaments, die der damalige Direktor des Wilhelmsstifts in Tübingen, Vinzenz Schweitzer, zusammen mit einigen Repetenten angefertigt hatte und die als „Kepplerbibel“ später viele Auflagen erlebte![4] Bischof Keppler, der ganz gewiss nicht zu den progressiven Vorreitern im damaligen deutschen Episkopat gehörte,[5] schrieb damals: „Das Buch der Bücher in schlichtester Form, um niedrigsten Preis, damit es wirklich Gemeingut werden kann – das ist der einzige Zweck dieser Kleinausgabe des Neuen Testamentes. […] Das kleine Format und der kleine Preis sollen weiteste Verbreitung ermöglichen. Bald soll das Buch in keinem Hause mehr fehlen. […] Nehmet und leset! Nehmet und gebet es anderen zum Lesen! […] Niemand ist so hoch gebildet, niemand so ungebildet, dass er auf dieses Buch verzichten könnte!“[6]

Rottenburg war nicht die einzige Diözese, in der die Liebe zur Bibel besonders gepflegt wurde. In Regensburg hatte Regens Georg Wilhelm Wittmann (1760–1833) schon im Jahr 1805 eine „Katholische Bibelgesellschaft“ gegründet, die bereits 1817 allerdings wieder sang- und klanglos unterging, weil andere Bischöfe dieses Unternehmen für allzu „protestantisch“ hielten.[7] An die damaligen Bestrebungen knüpfte fast ein Jahrhundert später Pfarrer Dr. Emil Dimmler (1870–1956) an, der zwischen 1911 und 1922 das gesamte Alte und Neue Testament übersetzte, kommentierte und in handlichen, preiswerten Bändchen in Taschenbuchformat herausbrachte. Seine Bibelbändchen erschienen im Verlag des „Volksvereins für das Katholische Deutschland“, der sich seit 1890 die Bildungsarbeit unter dem katholischen Volk zum Ziel gesetzt hatte und von seiner Zentrale in Mönchengladbach aus die soziale und pädagogische Arbeit unter den deutschen Katholiken entscheidend förderte.[8]

Damit ist auch eine erste Brücke zu Pfarrer Josef Bärtle geschlagen, der freilich – anders als die Protagonisten des ‚Volksvereins‘ – nicht aus der Welt der Großstadt und der industrialisierten Gebiete an Rhein und Ruhr kam, sondern aus der dörflichen Kultur Oberschwabens. Als Kaplan in Allmendingen (ab 1920) war er allerdings unter anderem auch Bezirksgeschäftsführer des Volksvereins für das Katholische Deutschland geworden und hatte sich – ganz im Sinne dieser Institution – mit Eifer für die soziale Bildung eingesetzt, namentlich auch für die soziale Tätigkeit des Klerus, wozu neben der Wohnungsfrage für die ärmeren Bevölkerungsteile auch die Förderung des Bildungswesens gehörte.[9] Bärtle sollte 1924 sogar Nachfolger des Landessekretärs Dr. Ruess werden, was er aber damals aus gesundheitlichen und familiären Gründen ablehnte. Ungeachtet dessen blieb er den Anliegen des Volksvereins treu und suchte sie vor allem in der katholischen Landjugend sowie unter den katholischen Landfrauen zu realisieren. Über Bärtles Tätigkeit als Direktor der sogenannten „Grenzlandschule“ Marienbuchen (in Westpreußen) sowie als Leiter des sogenannten „Freiwilligen Arbeitsdienstes“ in Marientann bei Wolfegg (nicht zu verwechseln mit dem späteren „Reichsarbeitsdienst“ Hitlers!) wäre an anderer Stelle zu handeln.[10] Zu erwähnen ist aber noch, dass es seit 1916 auch im Bistum Rottenburg einen Diözesancaritasverband gab, der die sozialen Aktivitäten vor Ort bündelte und dessen erster Vorsitzender seit 1917 Dr. Johannes Straubinger (1883-1956) war, der für Bärtles weiteren Weg so wichtig werden sollte.[11] Auch der Caritasverband verband damals zwei Bereiche, die heutzutage oft auseinanderfallen: die diakonische Aufgabe der Kirche in der Vielzahl sozialer Brennpunkte einerseits und die Bildungsaufgabe der Kirche, die man damals als integrierenden Teil sozialer Verantwortung ansah. Es war gerade der Caritasverband, der sich durch die Gründung des Verlags Kepplerhaus in Stuttgart die religiöse Bildung der Katholiken in Stadt und Land zu einem seiner „sozialen“ Anliegen machte – eines Verlags, der unter anderem auch die „Kepplerbibel“ herausgab und später zur Keimzelle der „Religiösen Bildungsarbeit“ in Stuttgart und in der Diözese nach dem Zweiten Weltkrieg wurde. An dieser Stelle sind die sozialen und pädagogischen Initiativen des Volksvereins und der Caritas, aber auch von Josef Bärtle und Johannes Straubinger deswegen zu erwähnen, weil sich auf dem fruchtbaren Boden dieses engagierten katholischen Aufbruchs Anfang der 30er Jahre auch die Gründung der „Katholischen Bibelbewegung“ ereignete.

Bereits Ende 1932 beriet die Leitung des Verlags Kepplerhaus GmbH (mit Caritasdirektor Straubinger an der Spitze) mit Domkapitular Rau von Rottenburg Pläne zur Gründung einer Katholischen Bibelgesellschaft. Der Verband Katholischer Akademiker Stuttgarts unterstützte diese Idee und entwickelte sie unter dem Titel einer „Katholischen Heilig-Schrift-Mission“ weiter. Unter anderem antwortete damals Romano Guardini (1865–1968) aus Berlin auf die von Stuttgart aus unter katholischen Persönlichkeiten durchgeführte Umfrage. Der Plan einer solchen Gesellschaft sei von der „größten Bedeutung“, schrieb er. Auch für ihn selbst gehöre es „zu den wichtigsten Anliegen christlich katholischer Bildung, dass die Heilige Schrift zu dem wird, was sie sein soll: selbstverständliches Herzstück des gläubigen Lebens“.[12] Guardini deutet auch an, dass man die Schwierigkeiten einer solchen Unternehmung nicht einfach auf brieflichem Wege bewältigen könne und hofft auf eine persönliche Begegnung, um „das Problem des katholischen Bildungsstandes“ umfassender aufzuarbeiten. Ob eine solche Begegnung irgendwann zustande kam, entzieht sich meiner Kenntnis. In Stuttgart scheint man sich über die Zielsetzung einer solchen Organisation zunächst noch nicht ganz einig gewesen zu sein, weshalb die Verwirklichung ein wenig ins Stocken kam.[13] Da gerieten aufgrund der nationalsozialistischen Machtergreifung die Institutionen, aus denen die Idee in erster Linie gekommen war, in große Schwierigkeiten. Insbesondere dem katholischen „Volksverein“, der mit seiner sozialpolitischen Ausrichtung nicht in den neuen totalitären Staat passte, drohte das Aus. Auch die Einrichtungen der Caritas wurden bereits in ihrer Arbeit behindert. Da der Staat die soziale und politische Arbeit völlig an sich ziehen wollte, erschien die Gründung einer Bibelgesellschaft, die ganz auf die religiöse Arbeit konzentriert war, als eine gewaltige Chance, um unter diesem Dach zumindest einen Teil der bisherigen Anliegen in die Zukunft hinein retten zu können.

Am 30. September 1933 fand bereits eine Gründungsversammlung der „Katholischen Bibelbewegung“ statt, die Prof. Dr. Stephan Lösch aus Tübingen zum 1. Vorsitzenden und Caritasdirektor Johannes Straubinger zum 2. Vorsitzenden wählte. Die erste ordentliche Mitgliederversammlung am 7. Februar 1934 im Vinzenz-Haus in Stuttgart, auf der rund 80 Personen versammelt waren, wählte dann den bereits wegen seiner volkstümlichen Bibelausgaben genannten Pfarrer Dr. Emil Dimmler zum 1. Vorsitzenden. Praktisch leitete jedoch Caritasdirektor Straubinger den Verein, wobei er in der konkreten Verwaltungsarbeit von einem ehrenamtlichen Geschäftsführer unterstützt wurde. Am 12. Juni 1935 fand dann in Kempten im Allgäu eine große Bibeltagung  statt, die Johannes Straubinger mit folgenden Worten einleitete: „Rechte Bibellesung muss beitragen zur Gesundung der Volksfrömmigkeit! Wir klagen heute über mangelndes Selbstbewusstsein der Katholiken, über die bekannten Minderwertigkeitsgefühle. Durch Bibellesen muss unsere Frömmigkeit wieder einen gesunden, natürlichen, unverkrampften Charakter bekommen. Wir brauchen eine Frömmigkeit, welche ‚diasporafähig‘ ist.“[14]

Deutsch-nationale Untertöne fehlen in diesen Jahren weder bei Johannes Straubinger noch bei Josef Bärtle. Eine gewisse sprachliche Anpassung war damals vermutlich unabdingbar, auch wenn die eigenen Anliegen wenig mit nationalsozialistischer Ideologie zu tun hatten. So hatte Pfarrer Bärtle, der über sein Engagement für den Freiwilligen Arbeitsdienst in Wolfegg mit deutschen Auswanderern in Kontakt gekommen war, eine Reise nach Brasilien und Argentinien unternommen (1934), mit der er das „Auslandsdeutschtum“ fördern und stützen wollte. Freilich erlebte er gerade dort die offene Spaltung zwischen Nazi-Anhängern und Nazi-Gegnern und kam wohl gerade dadurch politisch sensibilisiert ins ‚Reich‘ zurück.[15] Zugleich hatte er in Südamerika auch die Bedeutung der Heiligen Schrift sehr deutlich erkannt: „Was tun die Siedler an Sonn- und Feiertagen?“, schreibt er nach der Rückkehr. „Sie kommen in der schlichten Holzkapelle zusammen, singen die altvertrauten Lieder aus der deutschen Heimat und beten eine Litanei. Der Vorbeter liest aus der Handpostille das Sonntagsevangelium und die Epistel und die Erklärung dazu vor. So sammeln sich diese Siedler um den biblischen Christus an all den Sonntagen und an all den Festtagen.“[16] Da sich der ehrenamtliche Geschäftsführer der neuen deutschen Bibelbewegung inzwischen als untauglich herausgestellt hatte und Straubinger daher nach einem geeigneten hauptamtlichen Geschäftsführer suchte, kam der aus Südamerika zurückgekehrte Josef Bärtle praktisch wie gerufen. Er übernahm am 1. April 1935 diese Aufgabe und widmete sich sofort mit seiner ganzen Kraft diesem Anliegen. Ihm vor allem ist es zu verdanken, dass der Verein finanziell wieder auf die Füße kam und sich rasch zu einer bedeutenden Größe im damaligen katholischen Deutschland entwickelte.

Die seit Juli 1934 entstehende Zeitschrift hieß einfach – wie der Verein – „Katholische Bibelbewegung“. Bärtle und Straubinger machten daraus, solange es angesichts der politischen Verhältnisse noch ging, ein respektables Forum zur Förderung der Bibelarbeit in der katholischen Seelsorge. Bärtle reiste durch ganz Deutschland und hielt selbst eine Vielzahl sogenannter ‚Bibelkonferenzen‘ ab (1936 waren es allein 20!). 1935/36 erschienen sogenannte ‚Bibelbriefe‘, etwa zu den Themen „Der Katholik und die Bibel“, „Warum Bibellesung und Bibelverbreitung“ oder „Der Trost der Heiligen Schrift in der Krankenstube“, aber  auch „Im Lande der Propheten“, „Die Heilige Schrift und die Ordensfrau“ oder (für Bärtle wohl besonders wichtig!) „Die Heilige Schrift und der christliche Bauer“. 1936 gaben Straubinger und Bärtle auch das „Praktische Bibelhandbuch“ (beim Verlag Kepplerhaus) heraus, das noch Jahrzehnte später (in unzähligen Neuauflagen) aus der katholischen Bibelarbeit nicht mehr wegzudenken war. Nachhaltige Wirkung erzielte auch – neben vielen anderen Publikationen – der seit 1938 jährlich erscheinende „Bibelleseplan“, dessen Erstellung und Verbreitung ein besonderes Anliegen von Pfarrer Bärtle wurde.

Johannes Straubinger war ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus und vor allem als Direktor des Caritasverbandes, der er immer noch war, den Machthabern ein ständiger Dorn im Auge. Als er über Pläne zu seiner Verhaftung erfuhr, entzog er sich 1937 dem Zugriff der Nazis durch eine Flucht in die Schweiz. 1938 wanderte er nach Argentinien aus, wo er in der Folgezeit seine bibelpastoralen Aktivitäten fortführte, um erst 1951 wieder nach Deutschland zurückzukehren. Die deutsche „Katholische Bibelbewegung“ hatte damit ihren Kopf verloren. Auf einer Mitgliederversammlung vom 17. Marz 1938 wurde daraufhin der bisherige Geschäftsführer Josef Bärtle zum neuen Vorsitzenden gewählt. Entsprechend einer staatlichen Anordnung musste allerdings im gleichen Jahr der Name des Vereins geändert werden. Es durfte nicht mehr von einer „Bewegung“ die Rede sein, da es im neuen Staat nur eine einzige „Bewegung“, die  nationalsozialistische, zu geben hatte. Daher wurde der Name des Vereins und der Zeitschrift in „Katholisches Bibel-Werk“ geändert. Josef Bärtle fiel die große Aufgabe zu, diese Einrichtung durch die schwere Zeit des sogenannten ‚Dritten Reiches‘ und vor allem durch die Jahre des Zweiten Weltkriegs zu führen.

 

2. Geistiger Widerstand mithilfe der Heiligen Schrift

Es gibt verschiedene Formen des ‚Widerstands‘ angesichts einer totalitären Diktatur wie die des Nationalsozialismus. Zwischen dem kompromisslosen Weg, für den sich etwa Alfred Delp oder Dietrich Bonhoeffer entschieden und der auch die Studentengruppe ‚Weiße Rose‘ um die Geschwister Scholl in München auszeichnete und dem entgegengesetzten Extrem der Anpassung und des Mitläufertums liegt der Weg einer stillen und energischen Weiterarbeit an den eigenen Zielen und Werten. Diesen Weg eines geistigen Widerstandes ging auch Josef Weiger, als er sein Pfarrhaus in Mooshausen zu einer Anlaufstelle für Viele machte, die in einer trostlosen Zeit Orientierung suchten, vertrauliche Gespräche über die großen Themen der Menschheit und der Religion führen wollten und durch die tieffromme und vielbelesene Persönlichkeit dieses Geistlichen vielleicht die Kraft des Glaubens an Gott wiederfanden.[17] Auch die Nachbarpfarrei Treherz beherbergte seit 1941 unter Pfarrer Bruno Zieger verschiedene ‚Gestrandete‘, wie zum Beispiel den 1944 von seiner Tätigkeit entfernten Schulmann Hermann Binder, der mit der Widerstandsgruppe um Dr. Goerdeler in Verbindung stand und in seiner Treherzer Zeit nicht zuletzt auch durch die Kontakte mit Josef Weiger schließlich den Weg zum Übertritt in die Katholische Kirche fand.[18] Viele, die unter der lärmenden und gewalttätigen Propaganda für Führer, Volk und Vaterland litten, fanden Kraft in den Werken Reinhold Schneiders, Werner Bergengruens oder auch Romano Guardinis – jenes mit Weiger befreundeten Theologen, der an der Universität Berlin wie auch auf Burg Rothenfels ein zutiefst humanes und zugleich entschieden christliches Denken vertreten hatte, das dem Schauen auf die Welt, aber aus dem christlich-kirchlichen Glauben heraus, verpflichtet war und für Werte stand, die in der Gegenwart mit Füßen getreten wurden.

Sowohl Guardini wie auch Weiger hatten von früh an nicht nur die Liturgie, sondern auch die Bibel in Predigt und Schrift zu vermitteln begonnen, gehörten also ebenfalls hinein in die „Katholische Bibelbewegung“, auch wenn deren organisatorische Entwicklung aus anderen Wurzeln hervorgekommen war. Davon zeugen unzählige Predigtaufzeichnungen Weigers, die im Pfarrhaus von Mooshausen lagern. Von den Publikationen Weigers aus den dreißiger Jahren ist vor allem sein Marienbuch von 1936[19] sowie die Kleinschrift über den heiligen Josef (1940) zu erwähnen.[20] Guardini hat schon seit den zwanziger Jahren eine biblische Theologie entwickelt und auf der Basis mehrerer Predigtreihen Schriften strikt biblischer Ausrichtung vorgelegt. Am bedeutendsten war sicher das 1937 erschienene Buch „Der Herr“,[21] von dem die Mooshausen-Besucherin Maria Offenberg schrieb, es sei ein „Schlüssel … zu einem vergitterten Tor“. Wer die Kraft und den Mut habe, durch dieses Tor hindurchzuschreiten, werde „erkennen, warum uns dieses Buch zu dieser Stunde geschenkt worden ist.“[22] Dass Guardini sein Buch ausgerechnet „Der Herr“ nannte, wurde von Vielen als ein offensichtliches Gegenprogramm zu einer Weltanschauung angesehen, die alles unter die Herrschaft eines einzelnen Mannes, des „Führers“ stellte. Die Beiträge Guardinis wurden, noch während der Kriegszeit, vom Katholischen Bibelwerk ausdrücklich gewürdigt. Unter dem Datum des 14. Februar 1944 wurde in der Zentrale in Stuttgart eine Urkunde ausgestellt, in der das Bibelwerk den „um die Förderung der Bibellesung und des Bibelstudiums im katholischen Deutschland hochverdienten“ Universitätsprofessor Dr. Romano Guardini „in dankbarer Würdigung seiner bibelwissenschaftlichen Arbeiten zu seinem Ehrenmitglied“ ernennt. Die Urkunde, die heute im Pfarrhaus von Mooshausen aufbewahrt wird, trägt die Unterschrift von Josef Bärtle, dem damaligen 1. Vorsitzenden.

Die durch Schriften wie diejenigen Guardinis und Weigers geleistete Bestärkung schuf unabhängig von ihrer speziell bibeltheologischen Bedeutung die Grundlage für eine Haltung, die als ‚innerer Widerstand‘ oder ‚geistiger Widerstand‘ bezeichnet werden kann. Sie trug wesentlich dazu bei, dass die religiösen Fundamente unserer Kultur und die provokative Andersheit unseres Glaubens die dunklen Jahre überstanden und zum Ferment für einen Neuanfang nach dem Zusammenbruch werden konnten. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass Mooshausen in einer Diözese liegt, in der der unerschrockene Joannes Baptista Sproll (1870–1949), gebürtig aus dem oberschwäbischen Schweinhausen bei Biberach, die Nachfolge des ‚bibelbewegten‘ Bischofs Wilhelm Keppler angetreten hatte. Noch Anfang August 1937 war er anlässlich einer Altarweihe in Mooshausen gewesen und hatte im Pfarrhaus übernachtet. Wenige Monate später, am 10. April 1938, boykottierte er die Volksabstimmung zur Angliederung Österreichs, die mit der Zustimmung zur Liste des Führers gekoppelt war. Am 19. August desselben Jahres erging gegen ihn ein Aufenthaltsverbot und am 13. September wurde er offiziell aus seiner Diözese verbannt. Zwei Jahre lang regierte er seine Diözese vom Benediktinerkloster St. Ottilien in der Nähe des Ammersees, dann – inzwischen an Multipler Sklerose erkrankt – vom Kurort Krumbad aus. Als er den Entschluss fasste, am 3. Oktober 1943 seine Diözese der Gottesmutter zu weihen, beauftragte er keinen anderen als Josef Weiger in Mooshausen, hierzu ein Gebet zu verfassen, das in allen Gemeinden der Diözese gebetet werden konnte, um, ohne in vereinnahmender Weise eine übertriebene religiöse Ganzhingabe vorauszusetzen, die Gottesmutter um die Zukunft des christlichen Glaubens zu flehen: „Gib nicht zu, dass Christi Licht in den Getauften Finsternis werde und wir am Ende unseres Lebens dastehen wie Bäume, die keine Frucht getragen.“[23]

Im Februar 1940 musste Josef Bärtle in Stuttgart vor der Gestapo erscheinen. Die Vernehmung dauerte zweieinhalb Stunden. Der Vorsitzende des Katholischen Bibelwerks wurde gefragt „nach Ziel und Zweck der Vereinigung, besonders nach der Konferenztätigkeit“ (so die Notiz Bärtles). Die Vernehmung wurde in einem Protokoll festgehalten. 1941 wurde Bärtle aus der Reichsschrifttumskammer gestrichen, womit „seine Tätigkeit als Schriftleiter des Mitteilungsblattes des K. B.-W. beendet“ war. „Vom Jahre 1942 an hörte jede Papierzuteilung an das K.-B.-W. auf. In der Begründung hieß es, die Kriegslage mache diese Einschränkung notwendig. Es konnte kein Bibelleseplan herausgegeben werden, kein Mitteilungsblatt für die Mitglieder, kein Bibelbrief. Das Praktische Bibelhandbuch konnte nicht mehr aufgelegt werden. Den Bibelleseplan verbreiteten wir zunächst in der Weise, dass wir auf 12 Andachtsbildchen den Plan für je einen Monat abdrucken ließen und diese 12 Bildchen an unsere 10 000 Mitglieder zum Versand brachten“, so der Direktor des Bibelwerks weiter.[24] Es ist schon sehr beeindruckend und bewegend, mit welchem Einsatz sich der Kreis um Josef Bärtle weiter für die Verbreitung der Bibel einsetzte, als ringsum nur noch Chaos herrschte, in dem nur noch geschossen, zerstört, gekämpft und vernichtet wurde.

Ein interessantes Detail aus dieser Zeit ist noch die Bibelarbeit unter französischen Soldaten in deutscher Kriegsgefangenschaft, die im Juli 1940 begann. Unter anderem wurden „Sonntags-Evangelien in französischer Sprache“ an die Pfarrämter aller deutschen Diözesen verschickt. „Im Sommer 1940 hatte jeder Pfarrer die Möglichkeit, in der Pfarrkirche eigenen Sonntagsgottesdienst für die französischen Kriegsgefangenen zu halten. Durch die oben genannten Handreichungen hatten die Geistlichen die Möglichkeit, den Kriegsgefangenen das Wort Gottes in der französischen Sprache bekannt zu geben. Später trat eine Verschärfung ein. Gottesdienste für französische Kriegsgefangene durften nur noch von katholischen Geistlichen gehalten werden, die als französische Kriegsgefangene in deutscher Gefangenschaft waren. Das Kath. Bibel-Werk Stuttgart hat die genannten Texte herausgegeben, trotz der Schwierigkeiten, die von Seiten der Reichsschrifttumskammer bestanden“,[25] hält Bärtle in seinem Nachkriegsrückblick fest.

An Bärtle hing sicherlich der Großteil der organisatorischen Arbeit in diesen Jahren. Darum bat er 1943 nicht ohne Grund das Bischöfliche Ordinariat, ihm die Unabkömmlichkeit zu bescheinigen, damit er nicht zum Kriegsdienst einberufen werde und weiter für das Bibelwerk tätig sein könne. Er gibt in diesem Zusammenhang an, im Lauf des Jahres 1943 in Wangen, Biberach, Riedlingen, Geislingen, Laupheim, Saulgau, Leutkirch, Heilbronn a. N., Heiligenbronn, Ehingen an der Donau, Sigmaringen, Memmingen, Kempten, Weißenhorn, Lindau und Bühl in Baden persönlich Bibelkonferenzen gehalten zu haben. Insgesamt hätten in mehr als 100 Städten in ganz Deutschland solche Bibelkonferenzen stattgefunden. In der Diözese Rottenburg wurde Bärtle von Studentenseelsorger Hanssler, Pfarrer Dr. Schelkle (dem späteren Professor für Neues Testament), Stadtpfarrer Breucha und Expositurvikar Geiger (beide aus Stuttgart) unterstützt. Auch Guardini hatte einige Konferenzen übernommen – etwa in Leutkirch, Ehingen an der Donau und Ravensburg. Das Bibelwerk beliefere, so berichtet Bärtle, Priesterseminare und Hochschulen mit biblischen Lesestoffen für die Theologen, die sich im Krieg befänden.[26] Diese immense Tätigkeit war offensichtlich weiterhin möglich, wenn auch unter schwierigsten Umständen, bedeutete aber einen intensiven und kräftezehrenden Einsatz, insbesondere von Direktor Bärtle.

Am 26. Juli 1944 wurde schließlich die Geschäftsstelle des Bibelwerks in Stuttgart durch Bomben zerstört. Wie Bärtle in seinem Jahresbericht feststellt, war es vor allem Guardini zu verdanken, dass rechtzeitig eine Ausweichstelle in Mooshausen eingerichtet werden konnte. Auf diese Weise habe die Buchhaltung sowie ein großer Teil der Bücherei und des Archivs gerettet werden können. Da zum Druck von Bibeln, Bibelbriefen und Bibelkalendern keinerlei Papier mehr zur Verfügung stand, hätten sich einige Ordinariate bereit erklärt, den Bibelleseplan in ihren Kirchlichen Amtsblättern zu veröffentlichen, sodass er in den Gemeinden vervielfältigt werden konnte.[27] Die Bibelkonferenzen bekamen eine immer größere Bedeutung. Bärtle schreibt: „Vielfach verlegten wir diese Konferenzen auf die monatliche Recollectio der Geistlichen. Diese waren altherkömmlich und standen gewöhnlich nicht unter der Kontrolle der Gestapo.“[28] Auch jetzt beteiligte sich Guardini, der inzwischen selbst im Pfarrhaus von Mooshausen Zuflucht gefunden hatte (von 1943 bis 1945), an diesen Konferenzen.

Am 26. April 1945 wurde auch die Geschäftsstelle in Mooshausen durch einen schweren Bombenangriff getroffen. Kurz danach war der furchtbare Spuk zu Ende und Josef Bärtle konnte unter Anspielung auf Mt 3,20 lapidarisch feststellen: „Die dem Kinde (‚K. B. W.‘ = Katholisches Bibelwerk) nach dem Leben strebten, sind gestorben.“[29]

 

3. Die Bibel in den Zeiten des Wiederaufbaus nach 1945

„Im Laufe des Sommers 1945 nahm der Direktor des Kath. Bibel-Werkes Verhandlungen mit der Militärregierung auf“, so schreibt Josef Bärtle über sich selbst in seinem in Mooshausen abgefassten Jahresbericht. Er fährt fort: „Es konnte u. a. darauf hingewiesen werden, dass das Kath. Bibel-Werk als erste Stelle in Deutschland Literatur zur seelsorglichen Betreuung der französischen Kriegsgefangenen (Sonntagsevangelien, Predigtskizzen) herausgegeben hat. Dieses Verdienst wurde von der Militärregierung dankbar anerkannt. Das Wiedererscheinen der Zeitschrift wurde für die nächste Zeit in Aussicht gestellt.“ [30] Mooshausen war jetzt Ausgangspunkt des geistigen Wiederaufbaus, natürlich zuerst in der näheren Umgebung. Guardini hielt ein Triduum in Memmingen zum dortigen Bekenntnistag der katholischen Jugend am 8. Juli 1945 (mit Vorträgen auch am 6. und 7. Juli) und sprach über „Recht und Unrecht“, „Wahrheit und Lüge“ sowie „Vorsehung“. Ebenso hielt er in Memmingen am 5. August einen Erwachsenenvortrag über „Wahrheit und Lüge“, mit dem er seine Auseinandersetzung mit der zurückliegenden Unrechts- und Propagandazeit eröffnete und, wie dann in zahlreichen weiteren Vorträgen in Ulm, Stuttgart, Tübingen, Heilbronn, Ravensburg und immer wieder auch in Memmingen, zentrale Werte eines geistigen Wiederaufbaus nach den Schrecken von Krieg und Diktatur ins Zentrum rückte und sie vom christlichen Glauben her beleuchtete.[31] Im November 1945 bereits erhielt Guardini eine neue Lehraufgabe, und zwar in Tübingen, wo ihn der damalige Kultusminister Carlo Schmid dafür gewann, die in Berlin abgebrochene Professur für Religionsphilosophie und katholische Weltanschauung wieder aufzunehmen.[32]

Die Wohngemeinschaft im Mooshausener Pfarrhaus löste sich damit wieder auf. Josef Weiger setzte, versorgt von Mina Bärtle, seine Pfarrseelsorge fort, taufte, traute, feierte Eucharistie, predigte und pflegte weiter ein offenes Pfarrhaus, in dem zahlreiche Gäste einkehrten und das Gespräch mit dem gelehrten Pfarrer schätzten. Nebenan befand sich aber immer noch die Geschäftsstelle des Bibelwerks, die Josef Bärtle über die harten Jahre hinweg gerettet hatte. Im Frühjahr 1946 erteilte die Militärregierung die Genehmigung, das Mitteilungsblatt des Bibelwerks unter dem Titel „Bibel und Kirche“ (den die Zeitschrift bis heute  hat) wieder erscheinen zu lassen und die Verlagstätigkeit wieder zu eröffnen.[33] Die Redaktion saß in Mooshausen und bestand vor allem aus Josef Bärtle; eine Auslieferungsstelle wurde allerdings auch in der Reinbergstraße 122 in Stuttgart eingerichtet. Der erste Jahrgang umfasst nur ein einziges Heft. Josef Weiger, der bibelbegeisterte Nachbar, schrieb den Leitartikel: „Jeremias, der Prophet, seine Person und sein Wirken in schicksalschwerer Zeit“.[34] Es handelte sich um den Text eines Vortrags, den Weiger zuvor schon in Ulm und Stuttgart gehalten hatte, offensichtlich in einer der von Bärtle organisierten Bibelkonferenzen. Er führt darin die Hörer und Leser in eine Zeit, „die so ganz anders ist als unsere Welt und ihr dennoch wieder in ihrem großen Unglück tief verwandt“. „Und in dieser Welt begegnen wir einem Mann, der mit traumwandlerischer Sicherheit seinen Weg durch die verwirrenden Zustände der Zeit geht, missverstanden, angefeindet, des Hochverrats bezichtigt und der Einzige doch, der wusste, um was es ging und der die Heimat nicht um seiner Person, sondern um ihrer selbst willen im Herzen trug.“[35] Wer sieht in diesem Jeremia nicht doch auch ein wenig die Unbeugsamkeit von Männern wie Josef Bärtle gespiegelt?

Auf diesen Beitrag folgten unter anderem Aufsätze zur „Schriftlesung des Theologen“ (von Eugen Seiterich, später Freiburger Erzbischof) und zum „Jünger-Sein im Evangelium“ (von Karl Hermann Schelkle, Tübingen), und Josef Bärtle selbst veröffentlichte eine biblische Predigt zum Thema „Wie Petrus zum Fels wurde“ (zu Mt 16,13–19).[36] Auf eine Vortragsskizze zum Thema „Wir Katholiken und die Heilige Schrift“[37] folgten Berichte, Rückblicke, Ausblicke, persönliche Notizen und Literaturempfehlungen. Eine Passage aus diesen wohl meist von Bärtle selbst verfassten Texten finde ich besonders hilfreich, um erspüren zu können, was die Protagonisten der Bibelbewegung nach 1945 innerlich bewegte. Ich möchte sie daher vollständig zitieren:

„Bibel und Wiederaufbau. – In der Geschichte des Judenvolkes war einem Esdras und Nehemias in schwerer Zeit eine große Aufgabe gestellt. Ihre Sendung bestand darin, nach der assyrischen Gefangenschaft ihrem Volk wieder Lebensmut und Gottvertrauen einzuflößen. Nehemias sagte: ‚Ihr sehet das Elend, in dem wir uns befinden. Jerusalem liegt in Trümmern, seine Tore sind verbrannt. Kommet, wir bauen die Mauern Jerusalems wieder auf, damit wir nicht länger zum Gespötte dienen!‘ (Neh 2,17). Welches Echo fanden seine Worte? Das Volk erklärte: ‚Auf, wir wollen bauen!‘ (2,18). Sie legten mutig Hand an das Werk. In 52 Tagen war die Stadtmauer fertig. Das Volk trat nun mit einer besonderen Bitte an seinen Führer heran: ‚Sie forderten den Schriftgelehrten (Nehemias) auf, das Buch des Gesetzes des Moses zu bringen, das der Herr den Israeliten gegeben hatte. Der Priester brachte das Gesetz vor die Versammlung, vor die Männer und Frauen, und alle, die es verstehen konnten. Vom Morgen bis zum Mittag las er daraus vor auf dem Platze vor dem Wassertor, Männern und Frauen, und allen, die es verstehen konnten. Das ganze Volk lauschte der Verlesung des Gesetzbuches. Der Schriftgelehrte stand dabei auf einem Holzaufbau, den man zu diesem Zwecke angefertigt hatte. Er las aus dem Buche des Gesetzes Gottes abschnittweise vor und erläuterte den Sinn, sodass sie das Gelesene verstanden.‘ (Neh 8, 1–8). – Die Bibel ist und bleibt das große Menschheitsbuch, das große Ewigkeitsbuch, aus dem die Menschen Kraft schöpfen, wenn sie vor großen Aufgaben stehen, wenn es gilt, ein schweres Lebensschicksal zu meistern.“[38]

Interessant scheint mir, dass im Untertitel dieses ersten Heftes bewusst wieder von der „Katholischen Bibelbewegung Stuttgart“ die Rede ist. Bärtle kehrte also zur ursprünglichen Bezeichnung zurück und ersetzte (zumindest auf dem Titelblatt) den Namen „Bibelwerk“, der auf Druck der Nazis eingeführt worden war, wieder durch „Bibelbewegung“. Der Verein selbst blieb dann allerdings beim Namen „Katholisches Bibelwerk“ und trägt diesen bis heute.

Das zweite Heft erschien von vornherein als „Jahrbuch 1947“, es gab also wiederum nur eine Ausgabe. Auch hier greift Bärtle auf ‚Nachbarschaftshilfe‘ zurück bzw. dokumentiert eine in den Jahren des Mooshausener Exils gewachsene enge Verbundenheit: Romano Guardini schreibt dieses Mal den Leitartikel unter dem Titel „Apostelgestalten“; Petrus, Paulus, Johannes und Jakobus werden porträtiert.[39] Von P. Josef Knackstedt aus Hünfeld wird dann „das neue Psalterium“ vorgestellt; Pfarrer Rudolphi berichtet „aus der Bibelarbeit einer Großstadtgemeinde“, Pfarrer Otto Brecht über die „Bibelstunde auf dem Lande“; ein Brief von Dr. Johannes Straubinger aus Argentinien wird abgedruckt; außerdem findet sich in diesem Heft ein Nachruf auf Pfarrer Max Weiger, den Bruder von Josef Weiger, in dem besonders dessen Beziehung zur Heiligen Schrift hervorgehoben wird.[40] Mit diesen und anderen Beiträgen beginnt sich die Zeitschrift langsam in geordnetere, die unmittelbare Nachkriegszeit hinter sich lassende Bahnen zu bewegen. Das „Jahrbuch 1948“ erscheint bereits unter dem Titel „Bibel und Kirche. Organ des Katholischen Bibelwerkes“, 1949 werden zwei Hefte angekündigt, die jedoch praktisch dann doch auf ein einziges zusammenschrumpfen, da durch ein unvorhersehbares tragisches Ereignis die Redaktion ein ganzes Jahr ruhen muss.

Es ist der Unfalltod des bisherigen Vorsitzenden, Direktor Josef Bärtle, am 6. Mai 1949, der eine schnelle Fortführung der Arbeit verhindert hat. Der Nachruf auf ihn eröffnet das erste Heft des Jahrgangs 1950.[41] Und mit seinen Schlussworten möchte ich auch diesen Vortrag schließen, der die Aufgabe hatte, den hohen Einsatz und die überragende Bedeutung dieses Priesters „in schicksalsschwerer Zeit“ (um noch einmal Weigers Jeremia-Aufsatz zu zitieren) in Erinnerung zu rufen:

„Trotz seiner Arbeitslast blieb Josef Bärtle der allzeit Leutselige und Hilfsbereite, in dessen großem Bekanntenkreis es kaum jemand geben wird, der nicht von ihm aus bewusst christlichem Denken heraus irgendein kleines Liebeswerk erfuhr. Nun ruht der Verstorbene auf dem heimatlichen Friedhof zu Mooshausen im Familiengrab neben seinen Eltern und seiner Schwester. Er, der eine halbe Welt durchwandert hatte, wurde vom Tod am Eingang seines Heimatdorfes niedergeworfen, gleichsam, als hätte dieser verhüten wollen, dass der ruhelose Wanderer irgendwo anders seinen Wanderstab hätte niederlegen müssen. Das ewige Wort möge alles vergelten, was er im Dienste des biblischen Wortes getan hat.“

 

Literaturnachweis

[1] Vgl. Hagen, August, Josef Bärtle, in: Ders., Gestalten aus dem schwäbischen Katholizismus. Vierter Teil, Stuttgart 1962, 131–154.

[2] Vgl. v. a. Müller, Paul-Gerhard, Der „Volksverein“ und das „Bibelwerk“ 1933, in: 50 Jahre Katholisches Bibelwerk in Deutschland, Stuttgart 1983, 35–45; ders., Zur Geschichte des Katholischen Bibelwerks, ebd., 46–50; Hagen, August, Geschichte der Diözese Rottenburg. 3. Band, Stuttgart 1960.

[3] Vgl. Wohlmuth, Josef (Hg.), Conciliorum Oecumenicorum Decreta / Dekrete der Ökumenischen Konzilien. Band 3: Konzilien der Neuzeit, Paderborn 2002, 667–670 (Konzil von Trient, 5. Sitzung, 17. Juni 1546, zweites Dekret  über Schriftauslegung und Predigt), hier 667f.

[4] Vgl. Das Neue Testament. Für das katholische Volk übersetzt, Stuttgart (Druck und Verlag der A.-G. Deutsches Volksblatt) 1915 (sog. „Volkstestament“). Es folgte eine Vielzahl von weiteren Auflagen. Das 110.-130. Tausend (1932) kam bereits beim Verlag Kepplerhaus in Stuttgart heraus und war in der Folgezeit daher als „Keppler-Bibel“ bekannt.

[5] Vgl. zu ihm etwa Hausberger, Karl, Der Rottenburger Bischof Paul Wilhelm von Keppler (1898-1926) – ein Exponent des Antimodernismus im deutschen Episkopat, in: RJKG 21 (2002), 163–177.

[6] Vgl. ebd., 3. – In den ausgelassenen Passagen finden sich ausdrückliche Bezüge auf die Kriegssituation und Keppler forciert in einer uns Heutige zu Recht befremdlichen Weise die Verwendung des handlichen Bändchens durch die im ‚Feld‘ stehenden katholischen Soldaten. Die Heilige Schrift gehört nach ihm „zur Kriegsrüstung eines gläubigen Volkes und Heeres“. Das Büchlein solle dem Volk und dem Heer „die Seele mit Kriegsbrot stärken zum Aushalten und Durchhalten. Uns alle soll es aus den Nöten und Schrecken des Krieges hinüberführen in die großen Aufgaben des Friedens.“

[7] Vgl. dazu Müller, Paul-Gerhard, Bischof Wittmanns Katholische Bibelgesellschaft in Regensburg 1805–1817, in: 50 Jahre Katholisches Bibelwerk in Deutschland, Stuttgart 1983, 31–34

[8] Vgl. Müller, Volksverein und Bibelwerk (wie Anm. 2).

[9]   Vgl. Hagen, Josef Bärtle (wie Anm. 1), 134.

[10] Zu den Einzelheiten vgl. immer noch Hagen, Josef Bärtle (wie Anm. 1).

[11] Vgl. zu ihm Hagen, August, Johannes Straubinger, in: Ders., Gestalten aus dem schwäbischen Katholizismus. Vierter Teil, Stuttgart 1962, 237–268.

[12]  Brief Guardinis aus Berlin-Zehlendorf West vom 12. März 1933 (Archiv des Katholischen Bibelwerks Stuttgart).

[13] Vgl. dazu insgesamt Müller, Volksverein und Bibelwerk (wie Anm. 2).

[14] Zit. ebd., 40.

[15] Vgl. Hagen, Josef Bärtle (wie Anm. 1), 146f.

[16]  Zit. ebd., 147.

[17] Vgl. Gerl, Hanna-Barbara / Prégardier, Elisabeth / Wolf, Annette (Hg.), Begegnungen in Mooshausen. Romano Guardini, Maria Knoepfler, Maria Elisabeth Stapp, Josef Weiger, Weißenhorn 1989.

[18] Vgl. Hagen, August, Hermann Binder, in: Hagen, August, Gestalten aus dem schwäbischen Katholizismus Vierter Teil, Stuttgart 1962, 269–301, bes. 293–297.

[19] Vgl. Weiger, Josef, Mutter des neuen und ewigen Bundes. Über die heilsgeschichtliche und persönliche Größe der Mutter Jesu, Würzburg 1936. Später unter dem Titel „Maria. Die Mutter des Glaubens“ (2. Aufl., 1940; 3. Aufl., Aschaffenburg 1958). Neuausgabe Annweiler 2012.

[20] Vgl. Weiger, Josef, Sankt Josef (Christliche Besinnung 20), Würzburg 1940.

[21] Vgl. Guardini, Romano, Der Herr. Betrachtungen über die Person und das Leben Jesu Christi, Würzburg 1937 (viele weitere Auflagen).

[22] Offenberg, Maria, [Rez. zu] „Der Herr. Betrachtungen über das Leben und die Person Jesu Christi“, in: Die christliche Frau 36 (1938), Nr. 2, Februar, 43–44.

[23] Vgl. den Text des Gebets in der Rottenburg-Freiburger Ausgabe des „Gotteslob“ unter Nr. 933.

[24] Das Kath. Bibel-Werk und das Dritte Reich, in: Bibel und Kirche 1 (1946), 52f., hier 52. Der Artikel ist (wie auch die folgenden in der Rückblick „Rückblick und Ausblick“, ebd., 52–60) nicht namentlich gekennzeichnet, stammt aber zweifellos von Bärtle.

[25] Das Kath. Bibel-Werk und die französischen Kriegsgefangenen, in: Bibel und Kirche 1 (1946), 59f., hier 60. Zur Verfasserschaft Bärtles siehe Anm. 24.

[26] Brief Bärtles vom 15. November 1943 an das Bischöfliche Ordinariat Rottenburg (Diözesanarchiv Rottenburg).

[27] Bärtle, Josef, Jahresbericht 1944 des Katholischen Bibel-Werkes Stuttgart (Diözesanarchiv Rottenburg).

[28] Das Kath. Bibel-Werk und das Dritte Reich (wie Anm. 24), 53.

[29] Ebd.

[30] Bärtle, Jahresbericht 1944 (wie Anm. 27).

[31] Vgl. Guardini, Romano, 1945. Worte zur Neuorientierung. Hg. von Alfons Knoll. Unter Mitarbeit von Max Oberdorfer (Romano Guardini Werke), Ostfildern/Paderborn 2015.

[32] Vgl. zu jetzt Knoll, Alfons, Einleitung, in: Guardini, 1945 (wie Anm. 31), 10–32, hier 23–25.

[33] Vgl. Schwierigkeiten, die hinter uns liegen, in: Bibel und Kirche 1 (1946), 53. Zur Verfasserschaft Bärtles siehe Anm. 24.

[34] Vgl. Bibel und Kirche 1 (1946), 1–15.

[35] Ebd., 1.

[36] Vgl. ebd., 16–24 (Seiterich); 24–39 (Schelkle); 45–48 (Bärtle).

[37] Vgl. ebd., 48–51.

[38] Bibel und Wiederaufbau, ebd., 57.

[39] Vgl. Guardini, Romano, Apostelgestalten, in: Bibel und Kirche 2 (1947), 1–12.

[40] Vgl. Bibel und Kirche 2 (1947), 13–33 (Knackstedt); 37–41 (Rudolphi); 41–48 (Brecht); 54 (Straubinger); 57 (Nachruf Max Weiger).

[41] Vgl. Josef Bärtle zum Gedächtnis, in: Bibel und Kirche 5 (1950), Heft 1 und 2, 3f. (mit Porträt des Verstorbenen ebd., 2). Vgl. auch „Zum Geleit“, verfasst vom neuen Direktor P. Kutter (ebd., 1). Dieser Text beginnt mit den Worten: „Ein ganzes Jahr ist es nun, seit das letzte Heft (1949/1 und 2) unseren Mitgliedern übersandt wurde. Der jähe Tod des bisherigen Vorsitzenden, H. H. Direktor Josef Bärtle, hat diese Unterbrechung und Verzögerung mit sich gebracht. Nun soll aber das Versäumte möglichst schnell nachgeholt werden.“


5. Bericht in Wort und Bild

Am 11./12. Juni 2016 gedachte der Freundeskreis des bisher einzigen aus Mooshausen stammenden Priesters, Josef Bärtle, der am 7. Juni 1916 seine Priesterweihe erhalten hatte.

Elisabeth Prégardier eröffnete in kleinem Kreis am Samstagnachmittag eine sehenswerte Ausstellung zu Leben und Wirken von Josef Bärtle.  Als Religionspädagogin kannte sie schon seit 1964 das „Praktische Bibelhandbuch. Wortkonkordanz“. Erstmals herausgegeben von Dr. Johannes Straubinger und Josef Bärtle im Jahr 1936. Nach ihrer ersten Begegnung mit Mooshausen stellte sie überrascht fest, daß Josef Bärtle aus diesem Dorf stammte. Von Dr. Straubinger und seinem erfolgreichen Bibelapostolat in Argentinien erfuhr sie in den sechziger Jahre auf ihren Dienstreisen nach Argentinien als ADVENIAT-Mitarbeiterin. Die Kenntnisse der überregionalen Verdienste Josef Bärtle und  Dr. Straubinger und schienen ihr in Mooshausen wie in der Diözese ziemlich verblaßt. Einen persönlichen Nachlaß von Josef Bärtle gibt es nicht, so gelang es ihr dennoch durch eigene Recherche und in Zusammenarbeit mit dem Heimatpfleger Josef Roth, dem Diözesanarchiv Rottenburg und dem Kath. Bibelwerk wichtige Dokumente aufzuspüren. So u.a. einen handschriftlichen Brief von Bischof Sproll aus dem Jahr 1936 mit Dank an den tüchtigen Geschäftsführers des Katholischen Bibelwerkes, Josef Bärtle.

Die einzelnen Tafeln geben einen Überblick zum Lebenswerk von Josef Bärtle mit den drei Schwerpunkten „Heimat – Bildung – Bibel“.

Dank galt Pfr. Karl Erzberger aus Leutkirch, Karlheinz Wehnl und Siegfried Buchmann aus Mooshausen für die Anbringung einer Gedenktafel zur Würdigung von Philipp Bärtle (Vater), dem letzten Illerflößer, Josef Bärtle, Heimatforscher, Priester, Direktor des Kath. Bibelwerkes, Mina Bärtle (Schwester) Haushälterin Im Pfarrhaus von Mooshausen.

Eine beachtliche Schar fand sich am Sonntagmorgen zur Feier eines Festgottesdienstes mit Prof. Alfons Knoll, Fundamentaltheologe an der Universität Regensburg und aus Oberschwaben stammender Diözesanpriester, in der Dorfkirche ein. In tief beeindruckender Weise zeichnete Prof. Knoll in seiner Predigt sein Bild des Priestertums und hob im Kernstück drei Aspekte besonders hervor:

„Wir brauchen prophetische Priester. Priester, die sich nicht kümmern, wie sie heute in die Zeit passen… Priester mit Gespür, was Menschen Not tut… Wir brauchen apostolische Priester, Priester in der Nachfolge des Apostels Paulus, Priester, die nicht das eigene Amt vor sich hertragen, sondern das Evangelium bewahren und Jesus Christus ernst nehmen und ihn ins Zentrum ihres Lebens stellen… Wir brauchen barmherzige Priester, Priester, die Christus verkündigen als den Barmherzigen… Priester, die vermitteln: was immer war, du bist unendlich von Gott geliebt.“

Nach dem Gottesdienst segnete Prof. Knoll feierlich die an der Kirchenwand angebrachte Erinnerungstafel.

Zum Abschluss der beiden Tage versammelten sich gut 50 Interessierte im Tagungsraum des Alten Schulhauses zum ebenfalls von Prof. Knoll gehaltenen Festvortrag. In diesem brachte er das Wirken Josef Bärtles während des Dritten Reiches, seinem Zusammenwirken mit Pfarrer Josef Weiger und Prof. Romano, seinen Zuhörerinnen und Zuhörern eindrücklich  nahe.

Anwesend war auch die Direktorin des Diözesanarchivs Rottenburg, Frau Angela Erbacher. Aus einem Krankheitsgrund konnte nicht kommen die derzeitige geschäftsführende Direktorin des Bibelwerks, Frau Dr. Katrin Brockmöller. So wurde ihr schriftliches Grußwort zur Kenntnis gebracht, außerdem  die Kopie eines Briefes von Prof. Guardini, in dem er 1933 die Gründung einer katholischen Bibelbewegung begrüßte, denn zu den wichtigsten Anliegen christlich katholischer Bildung gehöre „daß die Heilige Schrift zu dem wird, was sie sein soll: selbstverständliches Herzstück des gläubigen Lebens.“

Am Abend fand das von der Diözese Rottenburg herausgegebene Filmporträt über Bischof Sproll „Fortiter in fide – Tapfer im Glauben“ aufmerksame Zuschauer. Dabei wurde deutlich in welch der Kirche feindlichen Atmosphäre – Bischof Sproll war von den Nazuis sieben Jahre  aus seiner Diözese verbannt worden – Josef Bärtle das Bibelwerk geleitet hatte.

 


» Predigt von Professor Dr. Alfons Knoll (Universität Regensburg), Diözesan der Diözese Rottenburg-Stuttgart

» Festvortrag von Professor Dr. Alfons Knoll (Universität Regensburg)


Gedenktafel an der Dorfkirche und ehemaliger Grabstein am Grab von Josef Bärtle

Gedenktafel auf Initiative des Freundeskreis Mooshausen e.V.


Bilder von der Eröffnung der Ausstellung im Alten Schulhaus am Samstag 10. Juni 2016

Einführung von Elisabeth Prégardier


Bilder vom Gottesdienst in der Dorfkirche und der Segnung der Gedenktafel an der Kirche am Sonntag 12. Juni 2016

Zelebrant: Professor Dr. Alfons Knoll (Universität Regensburg), Diözesan der Diözese Rottenburg-Stuttgart


Bilder vom Festvortrag im Alten Schulhaus am Sonntag 12. Juni 2016

Festredner: Professor Dr. Alfons Knoll (Universität Regensburg)

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